S = DA (M)
Bob (und jeder andere) kann dann den Absender überprüfen:
M = EA (S)
Kommt dabei etwas Vernünftiges heraus, so ist der Nachweis erbracht, daß Alice der Absender war, die Unterschrift also von ihr. Man sieht, die digitale Unterschrift sorgt nicht nur für die Sicherung der Quelle der Nachricht, sie kann auch als Sicherung für den Inhalt der Nachricht gelten. Denn wenn eine dritte Person, Eve, die Nachricht verändert hat, so wird beim Entschlüsselungsschritt nur "Müll" herauskommen. Die Nachricht selbst ist dadurch nicht rekonstruierbar, aber man hat die Gewißheit, daß ein Dritter im Spiele war.
Deswegen ist eine aufmerksame und effektive Schlüsselverwaltung
fast wichtiger als das Verfahren selbst. Man hat viele Möglichkeiten,
das zu tun. Die Literatur ist voll davon [1, 3]. Wir wollen uns nur das
Zertifizieren ansehen. Um einen Schlüssel glaubhaft werden zu lassen,
kann eine dritte Instanz als zertifizierende Autorität (CA) einschreiten.
Diese CA unterschreibt mit ihrem Schlüssel den zu zertifizierenden
Schlüssel. Damit kann man dann nachprüfen, ob der Schlüssel
korrekt ist oder nicht. Solche CAs sind entweder in einem Trust Center
untergebracht (z.B. Trust Center der Deutschen Telekom AG für Telesec)
oder, bei einem freien Netz wie dem Internet, beliebige Personen, die als
kleine CAs fungieren. Dort
heißt das "web of trust" und ist das von PGP-Anwendern bevorzugte
Modell. Problemetisch wird genau das aber, wenn ein Anwender, der einen
Schlüssel zertifiziert hat, sich vorher nicht über dessen Korrektheit
informiert hat. Da jeder Anwender als Mini-CA ohne Kompetenzprüfung
agieren darf, ist dieses Modell mit Vorsicht zu genießen. Solange
erfahrene Kryptologen damit arbeiten, ist das größte Problem
der Zugriff auf beliebige Schlüssel. Spielen aber auch unerfahrene
Benutzer CA, dann wird es kritisch. Es können dann Schlüssel
in Umlauf kommen, die falsch sind und so Mißbrauch Tür und Tor
öffnen. Dabei wichtig: Vertrauen in einen Schlüssel ist nicht
transitiv. Das bedeutet, wenn Alice Bob vertraut, und Bob vertraut dem
Weihnachtsmann, so muß Alice nicht automatisch dem Weihnachtsmann
vertrauen. Ebenfalls wichtig: Nicht die Vertrauenswürdigkeit der Person
wird zertifiziert, sondern die Korrektheit des Schlüssels. Sie können
theoretisch also ruhigen Gewissens den Schlüssel von Al Capone zertifizieren.
Mit dem Unsinn, den dieser dann mit dem Schlüssel anstellt, haben
Sie nichts zu tun. Letztendlich ist es aber natürlich auch eine Frage
der persönlichen Einstellung, wessen Schlüssel man zertifiziert.
Im Unterschied zum Zertifizieren fremder Schlüssel kann man auf Anfrage
den eigenen verifizieren lassen, indem man auf Wunsch den Fingerabdruck
seines Schlüssels auf einem anderen Kanal als die Nachricht überträgt
(z.B. Telefon). Damit kann der potentielle Absender einer Nachricht sicher
sein, daß er den richtigen Schlüssel verwendet.