Pressetexte der Arbeitsgemeinschaft EURO, EURO Presse-Service (Zusammenfassung) 

Über den EURO

Der Fahrplan zum Euro

Mark und Pfennig werden nicht auf einen Schlag von Euro und Cent abgelöst. Das neue Europageld kommt nach einem festgelegten Fahrplan in mehreren Etappen. Entscheidendes Merkmal des Zeitplans ist die stufenweise Einführung mit einer dreijährigen Übergangszeit: Am 1. Januar 1999 kommt der Euro als Buchgeld, Anfang 2002 als Bargeld. In der Übergangszeit gilt die D-Mark weiter als Zahlungsmittel.

Von der Mark zum Euro

Der Übergang von der D-Mark zum Euro ist ein ähnlich großer Markstein in der Wirtschaftsgeschichte wie die Einführung der Mark im Deutschen Reich als Goldwährung vor 125 Jahren. Eng verknüpft mit dem deutschen Wirtschaftswunder ist die D-Mark, die nach der Währungsreform 1948 eingeführt wurde. Am Ende einer dreijährigen Übergangszeit wird der Euro im Jahr 2002 endgültig die D-Mark ablösen.

Euro-Chancen auf einen Blick

Der Euro wird in Europa in den nächsten Jahren vieles verändern. Die Grafik zeigt die 10 wichtigsten Gründe, weshalb der Euro für die Deutschen mehr Chancen als Risiken bringt.

Diese Hürden haben die Euro-Länder übersprungen

Den Sprung über die hohen Hürden der Maastrichter Stabilitätskriterien haben 11 Länder der Europäischen Union geschafft. Die europäischen Staats- und Regierungschefs hielten am 2. Mai 1998 die Konvergenzprüfung ab. Wer den Härtetest im ersten Anlauf verfehlt hat, kann sich in späteren Jahren nachqualifizieren.

Stabilitätskultur in Europa

Günstiger Trend für das neue Europageld: Die Inflationsmentalität ist europaweit auf dem Rückzug, zugleich gewinnt die Stabilitätskultur immer mehr an Boden. Markenzeichen dieser Kultur ist der gesellschaftliche Konsens über den hohen Stellenwert des stabilen Geldes. Das zeigt eine Erfolgszahl: Der durchschnittliche Anstieg der Verbraucherpreise in der EU sank von 13,1% im Jahr 1980 auf 2,0% im Jahr 1997. Für weiteren positiven Leistungsdruck sorgt der Maastrichter Vertrag mit seinen Stabilitätskriterien.

Die Europäische Zentralbank

Eine neue Europa-Institution hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Ab dem 1. Januar 1999 wird die Europäische Zentralbank darüber wachen, daß die neue Europawährung auf Dauer so stabil wird wie die Mark. Sie wird nach dem Vorbild der Bundesbank aufgebaut und ist mit einem klaren Stabilitätsauftrag ausgestattet. Das entscheidende Qualitätsmerkmal ist die Unabhängigkeit der Zentralbank von politischen Weisungen jeder Art. Der Maastrichter Vertrag ist in diesem Punkt kompromißlos und stattet die Europäische Zentralbank mit einer dreifach gesicherten Unabhängigkeit aus: Sie ist institutionell, operativ und personell unabhängig. Ihr erster Präsident ist der Holländer Wim Duisenberg.

Die drei Stabilitätsanker

Die europäische Währungsunion nimmt Kurs auf die Stabilität, sie ist ein Flaggschiff des stabilen Geldes mit drei Ankern: Erstens sorgen strenge Konvergenzkriterien dafür, daß nur stabilitätserprobte Länder in den Währungsclub aufgenommen werden. Zweitens wird die Geldpolitik der unabhängigen Europäischen Zentralbank mit Sitz in Frankfurt/Main anvertraut. Drittens verpflichtet der Maastrichter Vertrag die beteiligten Länder zur dauerhaften Einhaltung der Stabili-tätskriterien. Gesunde Staatsfinanzen sind kein Augenblicksziel, sondern eine Daueraufgabe der Beteiligten. Verbindliche Spielregeln und Sanktionen sorgen dafür, daß die Beteiligten eine “auf Dauer tragbare Finanzlage der öffentlichen Hand” vorweisen müssen.

Auf Euro-Kurs

11 der 15 EU-Länder nehmen Kurs auf den Euro: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Vorerst nicht dabei: Dänemark, Griechenland, Großbritannien und Schweden.

Der Euro: Lokomotive für den deutschen Export

Der Euro ist eine Lokomotive für den deutschen Export. 56 Prozent ihres Außenhandels treibt die deutsche Wirtschaft schon heute mit EU-Partnern – mit steigender Tendenz. Die Währungsunion fördert die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft und beendet unter den Partnern wechselkursbedingte Wettbewerbsverzerrungen. Das sichert langfristig viele Arbeitsplätze.

Die Welt-Währungen im nächsten Jahrtausend

Die Wirtschafts- und Währungsunion ist die Antwort Europas auf die zunehmende Globalisierung der Märkte. Der Euro wird die europäische Position im weltweiten Wettbewerb im Kräftedreieck USA-Europa-Japan stärken. Langfristiger Trend: Der Euro wird zu einer Währung mit Weltgeltung als Gegenstück zu Dollar und Yen. Auf den Weltfinanzmärkten wird der Euro zu einer attraktiven Alternative zum Dollar und teilt mit ihm die Rolle einer weltweiten Leitwährung. So kann Europa im 21. Jahrhundert seine Interessen gegenüber den Wirtschaftsblöcken Amerika und Asien besser durchsetzen.

Der Stabilitätspakt

Der Stabilitätspakt soll dauerhaft eine solide Haushaltspolitik der Euro-Teilnehmer sichern. Haushaltssünder müssen mit empfindlichen Strafen rechnen. Das ausgefeilte System von Sanktionen sorgt für ein wirksames Abschreckungspotential, das sich in folgenden Stufen vollzieht:
Wer sein übermäßiges Haushaltsdefizit nicht angeht, wird öffentlich abgemahnt. Danach kommen die Sanktionen. Zunächst muß ein Geldbetrag bei der Europäischen Zentralbank zinslos hinterlegt werden. Die Höhe dieser Stabilitätseinlage beträgt 0,2 bis 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach zwei Jahren ohne gemachte Hausaufgaben bei der Etatsanierung wird es richtig ernst. Dann wird die zinslose Einlage in eine endgültige Strafe umgewandelt und an den EU-Haushalt abgeführt.

Die neuen Banknoten - Mit diesen Scheinen werden Sie zahlen

Der Euro nimmt Gestalt an. Die Entwürfe der neuen Banknoten sind das Ergebnis eines professionellen Wettbewerbs. Schauen Sie sich die Entwürfe genau an, denn mit diesen Geldscheinen werden Sie ab dem 1. Januar 2002 bezahlen! Die neuen Euro-Scheine zeigen Zeitalter und Stile in Europa. Jeder der sieben Scheine steht für eine Epoche der europäischen Kulturgeschichte – in der Zusammenschau ein kleines Geschichts-Album. Die Banknotenserie schlägt die Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft. Sie vermittelt den Aufbruch in das neue, vereinigte Europa mit seinem gemeinsamen Kulturerbe. Das ansonsten sachlich unterkühlte Europäische Währungsinstitut erblickt sogar die “Vision von einer gemeinsamen Zukunft im kommenden Jahrhundert.” Die Geld-Designer wollten keinerlei Anlaß bieten für nationale Eifersüchteleien. Deshalb wurde auf prominente Köpfe oder berühmte nationale Bau- und Kunstwerke bewußt verzichtet. Die Motive – Fenster, Tore und Brücken – haben keinen Bezug zu ganz bestimmten Denkmälern, sondern stehen stellvertretend für Stilelemente, die in ganz Europa zu finden sind.
Über die Festlegung weiterer technischer Details und die Einbeziehung modernster Sicherheitsmerkmale (z.B. Sicherheitsfaden, reflektierende Folien) entscheidet 1998 die neue Europäische Zentralbank. Die neue Notenserie ist insgesamt ein gelungener Wurf. Die ansprechende und zugleich professionelle Gestaltung wird – soweit es auf das Äußere ankommt - den Bürgern den Abschied von der Mark und die Gewöhnung an das Euro-Geld erleichtern.
Beim Übergang auf das neue Geld muß Verbraucherschutz groß geschrieben und alles getan werden, Geldfälschern und Gaunern das Handwerk zu erschweren. Hier muß in erster Linie an die sieben Millionen sehbehinderten Menschen in der EU gedacht werden. Vier Merkmale der neuen Scheine werden den Sehbehinderten – aber auch vielen alten Menschen – die Unterscheidung zwischen den einzelnen Banknoten erleichtern:

Der Fünfer

Der Fünfer ist der kleinste Schein (12 x 6,2 cm) und zugleich der unscheinbarste: Die Hauptfarbe ist grau. Das dargestellte Tor ist ein Stilelement aus der Klassik, also aus der griechisch-römischen Antike. Das ist ein Verweis auf die historischen Wurzeln Europas. Das Tor ist zugleich ein aktuelles Symbol für den Geist der Offenheit, der die Zusammenarbeit in der heutigen Europäischen Union prägen soll.

Der Zehner

Der neue Zehner (12,7 x 6,7 cm) weist als markantestes Kennzeichen ein kräftiges Rot auf. Am runden Torbogen erkennt man den romanischen Stil, die Epoche des frühen Mittelalters. Das ist ein typisches Architekturelement für Kirchen, die etwa 1000 Jahre alt und als gemeinsames Kulturerbe in ganz Europa zu finden sind. Wie auch auf den anderen Scheinen sind die zwölf Sterne der Europäischen Union mit abgebildet.

Der Zwanziger

Der blaue Zwanziger (13,3 x 7,2 cm) wirkt besonders edel. Sein Design repräsentiert die Epoche der Gotik, leicht zu erkennen am Spitzbogen der Fenster auf der Vorderseite oder am Strebewerk der Brückenpfeiler auf der Rückseite. Das Fenster ist ein Symbol für den Ausblick auf das vereinte Europa im neuen Jahrhundert.

Der Fünfziger

Der Fünfziger (14 x 7,7 cm), Farbe orange, zeigt Elemente aus der Renaissance, der Zeit des Epochenwandels vom Mittelalter zur Neuzeit. Es war die Zeit von Leonardo da Vinci, Michelangelo und Albrecht Dürer. Die Renaissance begann in Italien und strahlte nach 1500 auf alle europäischen Länder aus.

Der Hunderter

Der Euro-Hunderter (14,7 x 8,2 cm) ist unverwechselbar grün. Für die Deutschen ist der Abschied vom blauen Hunderter gewöhnungsbedürftig. Der “grüne Wim” (benannt nach EWI-Chef Wim Duisenberg) ist der auffälligste unter allen Euro-Scheinen. Das Tor steht für den Barock-Stil und die dazugehörende Lebensfreude.

Der Zweihunderter

Beim Zweihunderter (15,3 x 8,2 cm) dominieren gelblich-braune Farbtöne. Er zeigt Elemente der Eisen- und Glasarchitektur. Auf der Rückseite sieht man eine Eisenbahnbrücke, die in dieser Form zu Beginn des 20. Jahrhunderts überall in Europa gebaut wurde. Die auf allen Scheinen abgebildeten Brücken auf der Rückseite gilt als Sinnbild für die Verbindungswege zwischen den Völkern Europas.

Der Fünfhunderter

Der Fünfhunderter ist mit einem Format von 16 x 8,2 Zentimetern der größte Schein, einen Tausender wird es nicht geben. Sein Kennzeichen ist die Farbe lila. Er zeigt Symbole moderner Architektur am Ende des 20. Jahrhunderts. Außerdem sieht man auf der Rückseite – ebenfalls in der Farbe lila – eine stilisierte Europa-Landkarte. Dieses Karten-Element weisen alle Scheine auf.
 

Ab 2002 in allen Geldbeuteln - Acht einprägsame Münzen

Der Euro kommt, man kann die neue Währung für bare Münze nehmen. Ab dem 1. Januar 2002 wird das neue Bargeld eingeführt. Dann können die Bürger auch mit den neuen Münzen bezahlen. Es kommt eine Achter-Serie mit 1 - 2 -  5 - 10 - 20 - 50 Cent sowie 1 und 2 Euro. Diese Münzabfolge macht in Zukunft kleinere Bargeldzahlungen so einfach wie möglich.
Der EU-Gipfel in Amsterdam gab im Juni 1997 “grünes Licht” für die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten. In den 15 Mitgliedstaaten der EU sind derzeit rund 70 Milliarden Münzen in Umlauf. Angesichts dieser Menge ist die praktische Organisation der Münzherstellung und -ausgabe eine logistische Herausforderung ohne Beispiel. Die Herstellung wird drei Jahre in Anspruch nehmen.
Die Gestaltung hat einen besonderen Ausgangspunkt: Die Vorderseite der Geldstücke zeigt den Wert an und ist europäisch einheitlich, die Rückseite gestaltet jedes Land mit eigenen nationalen Motiven. Für die gemeinsame Seite wurde ein europäischer Wettbewerb ausgeschrieben, den der belgische Geld-Designer Luc Luycx gewonnen hat. Hintergrund der Aufteilung in eine europäische und eine nationale Seite ist eine Regelung im Maastrichter Vertrag. Dort wird die Zuständigkeit für die Münzausgabe – anders als bei den Banknoten – in erster Linie den Mitgliedstaaten zugeordnet. Europa sorgt nur für den reibungslosen Umlauf innerhalb der Gemeinschaft.
Beim neuen Geld wird Verbraucherschutz groß geschrieben. Die Cent- und Euro-Stücke sind leicht zu handhaben und zu erkennen. Sie unterscheiden sich deutlich in Größe, Gewicht, Material, Farbe und Dicke. Der Wert ist deutlich in großen Ziffern eingeprägt. Auf Initiative des Europäischen Parlaments wird auch der Gesundheitsschutz verbessert: Auf das umstrittene Nickel (allergieauslösende Wirkung), das bisher in drei Viertel aller Legierungen enthalten ist, wird weitgehend verzichtet. Die Münz-Serie besteht aus drei Reihen, die nachfolgend vorgestellt werden.

Die drei kleinen Münzen

Die drei kleinsten Münzen enthalten in großen Ziffern die Wertangaben 1, 2 und 5 Cent. Wegen der Kupferauflage ist die Farbe rot – ähnlich wie beim deutschen Pfennig. Auch an der Größe der kleinsten Münze ändert sich nichts: Der Cent hat einen Durchmesser von gut 16 Millimetern und wiegt 2,2 Gramm. Größe und Gewicht steigen mit dem Wert. Zum Vergleich: Das 2-Euro-Stück hat knapp 26 Millimeter Durchmesser und wiegt 8,5 Gramm. Auffälligstes Design-Element ist ein Globus, der Europas Lage in der Welt markiert. Auf allen Geldstücken wird die Europäische Union durch zwölf Sterne repräsentiert.

Die drei mittleren Münzen

Die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen sind messinggelb. Die Farbe ergibt sich aus der Legierung “Nordisches Gold”, bei der auf das allergieauslösende Nickel verzichtet wird. Diese Reihe enthält die Umrisse der EU-Staaten als Relief. Besonders markant ist das Zwanziger-Stück. Es hat die Form der “Spanischen Blume” mit sieben Einkerbungen am Rand. Das ist ein praktisches Stück Verbraucherfreundlichkeit, weil so auch Sehbehinderte und Blinde die neuen Münzen einfach erkennen können.

Die zwei großen Münzen

Neu und gewöhnungsbedürftig für die Deutschen sind Geldstücke in Bimetall. Auffälligstes Merkmal der 1- und 2-Euro-Münzen ist die Kombination der beiden Farben Gold/Silber. Diese Farbkombination gewährleistet zusammen mit einem komplexen Herstellungsverfahren in drei Schichten Fälschungssicherheit auf dem neuesten Stand der Technik. Die beiden Euro-Münzen stellen die Europäische Union ohne Landesgrenzen dar und stehen für ein modernes Europa ohne Grenzen. Für den Verbraucher leicht zu erkennen ist auch der Münzwert. Während beim 2-Mark-Stück die Zahl 2 klein und unscheinbar zu sehen ist, sind bei den Euro-Münzen die Werte deutlich und in großen Ziffern eingeprägt.

Deutsche Seiten der Münzen

Typisch deutsch: Eichenzweig, Brandenburger Tor und Bundesadler schmücken die nationale Kehrseite der Euro-Münzen in Deutschland. Der Eichenzweig wird die Reihe der kleinen Münzen (1 - 2 - 5 Cent) zieren. Das Berliner Wahrzeichen wird auf der Rückseite der mittleren Reihe (10 - 20 - 50 Cent) prangen. Der Bundesadler, das traditionelle deutsche Hoheitssymbol, wird auf den großen Münzen zu sehen sein (1 und 2 Euro). Auf allen Münzen werden die deutschen Symbole von den zwölf Europa-Sternen eingerahmt.
 

Namen sind Nachrichten - Die Euro-Macher

Am 2. Mai 1998 fiel die Entscheidung über den Teilnehmerkreis der gemeinsamen Währung. Ab dem 1. Januar 1999 geht die Kompetenz für die Geldpolitik in die Hand der Europäischen Zentralbank über. Wer befindet sich in den Schlüsselpositionen?
Bundeskanzler Helmut Kohl und die übrigen 14 europäischen Staats- und Regierungschefs verantworten die politische Weichenstellung für die Einführung des Euro. In diesem Kreis wurden die 11 Teilnehmer ausgewählt, die am 1. Januar 1999 beim Euro-Start dabei sind. Bei der Brüsseler EU-Kommission ist der französische Kommissar Yves-Thibault de Silguy für den Euro zuständig. Ein gewichtiges Wort mitzureden hat auch das Europäische Parlament. Die maßgeblichen Euro-Macher in der europäischen Volksvertretung sind die beiden deutschen Abgeordneten Karl von Wogau, Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses und Christa Randzio-Plath, Vorsitzende des Unterausschusses Währung. Der “Wogau-Bericht” zur Einführung der gemeinsamen Währung war Grundlage der breiten Zustimmung im Europäischen Parlament für historische Entscheidung am 2. Mai 1998. Wegweisend für den künftigen monetären Dialog mit der Europäischen Zentralbank war ein Bericht von Frau Randzio-Plath über die demokratische Rechenschaftsplicht in der Währungsunion. Eine Schlüsselrolle bei der künftigen Koordinierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik spielen die Finanzminister der 11 Euro-Teilnehmer, darunter Theo Waigel, Initiator des Stabilitätspakts.
Am 2. Juni 1998 hat die neue Europäische Zentralbank ihre Arbeit aufgenommen. In diesem Spitzengremium sind die Chef-Wächter der Währungsunion versammelt. Es ist ein machtvoller Rat mit 17 Mitgliedern. Er setzt sich aus 6 Direktoren und den 11 Notenbankpräsidenten der Euro-Teilnehmerstaaten zusammen. Hier die wichtigsten Namen:

Die demokratische Rolle des Europäischen Parlaments - Geldpolitik nicht im Elfenbeinturm

Die einheitliche Geldpolitik in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wird von der unabhängigen Europäischen Zentralbank (EZB) gestaltet. Sie kann und darf dabei nicht von den nationalen Regierungen oder der Europäischen Kommission beeinflußt werden. Aber sie steht auch nicht über der Politik und den demokratisch gewählten Institutionen: Der Präsident der EZB kann wie die übrigen Mitglieder des Direktoriums nicht ohne Konsultation des Europäischen Parlamentes ernannt werden. In Anhörungen müssen die Kandidaten vor dem Parlament Rede und Antwort stehen. Änderungen der EZB-Satzung muß das Parlament zustimmen. Die Zentralbank muß dem Europäischen Parlament auch Rechenschaft ablegen über ihre Tätigkeit. Ihr Präsident wird einmal jährlich dem Plenum über die Geld- und Währungspolitik berichten.
Darüberhinaus wird es aber häufigere Kontakte zwischen EZB und Parlament geben: Der Präsident und die Mitglieder des Direktoriums der EZB werden nämlich auch mit den Mitgliedern des zuständigen Ausschusses des Europäischen Parlamentes diskutieren. Das können sowohl das Parlament als auch die Zentralbank beantragen. Bei diesem monetären Dialog ist Fingerspitzengefühl und Behutsamkeit angebracht, damit die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank unangetastet bleibt.
In einem weiteren Rahmen werden die europäischen Volksvertreter an der Gestaltung der Wirtschafts- und Währungsunion mitwirken. So müssen Kommission und Ministerrat über die Grundzüge der Wirtschaftspolitik und über Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt berichten, der eine übermäßige Verschuldung verhindern soll.
Auch wenn sie auf ihre Unabhängigkeit bedacht sein muß, liegt es im eigenen Interesse der EZB, den Kontakt zum direkt gewählten Parlament zu suchen. Sie braucht ein Forum, über das sie auf möglichst effiziente Weise die europäische Öffentlichkeit erreichen kann. Sie kann nur wirken, wenn sie ihre Politik den Menschen verständlich macht.
Andererseits haben die Bürger, die den Euro verwenden werden, weder die Gewohnheit noch verfügen sie über die geigneten Kanäle, um unmittelbar grenzüberschreitend über all das zu diskutieren, was mit dem Euro und seinen Wirkungen zusammenhängt. Das Europäische Parlament mit seinen direkt gewählten Abgeordneten kann dafür das geeignete europaweite Diskussionsforum bieten. In seinen Fraktionen, Ausschüssen und Plenarsitzungen findet seit langem ein gesamteuropäischer Meinungsaustausch statt. Seine Abgeordneten nehmen Meinungen und Stimmungen in ihren Wahlkreisen auf, und sie tragen europäische Debatten an die Menschen in ihren Wahlkreisen heran. Mit der Währungsunion gewinnt diese Funktion des Europäischen Parlaments, Katalysator der europäischen Öffentlichkeit zu sein, eine neue Dimension.

Für die Verbraucher überwiegen die Vorteile - Wie der Euro auf die Preise drückt

Mit dem Euro verändern sich schlagartig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa - zugunsten der Verbraucher. Drei Effekte muß man hervorheben: In vielerlei Hinsicht werde sich diese Veränderungen günstig für die Verbraucher auswirken. Nicht nur im grenznahen Raum lohnt sich künftig der Einkauf im Ausland noch eher, weil der lästige und nach wie vor kostenträchtige Währungsumtausch entfällt. Dank moderner Kurierdienste kann man künftig auch über große Distanzen vom Preisgefälle profitieren. Informationen darüber liefern spezalisierte Agenturen, man kann sie über das Internet auch selber in Erfahrung bringen. Auf einigen Märkten, etwa bei Autos, gerät schon heute das von den Herstellern künstlich geschaffene Preisgefüge ins Rutschen. Ähnliches könnte auch auf anderen Märkten geschehen, etwa wenn die Bankkunden bemerken, daß die Kontoführung in anderen Ländern billiger ist.
Die Unternehmen haben schon begonnen, sich auf die veränderten Bedingungen eines offenen Marktes für die Verbraucher einzustellen, in allen erdenklichen Sparten. Beispiele dafür gibt es viele: In Deutschland bieten Banken und Sparkassen spezielle Fonds mit Werten an, die von der Währungsunion besonders profitieren sollen, in Spanien investieren die großen deutschen Handelsketten in neue Verbrauchermärkte, die zu einem großen Teil mit deutschen Waren beschickt werden, Bekleidungshersteller arbeiten fieberhaft an der Angleichung ihrer Preise im In- und Ausland.
Die Verbraucher müssen darauf bestehen, daß Preisvorteile an die Kunden weitergereicht werden und Ärgernisse wie die hohen Gebühren im Auslandszahlungsverkehr nun rasch beseitigt werden. Denn in einem einheitlichen Währungsraum gibt es keinen Anlaß mehr dafür. In der dreijährigen Übergangszeit bis zur Ausgabe der Scheine und Münzen werden viele Händler die Preise sowohl in D-Mark als auch in Euro auszeichnen. Die doppelte Preisauszeichnung im Handel soll aber nicht gesetzlich vorgeschrieben werden, damit Kosten möglichst gering gehalten werden. Freiwillige Aktionen werden jedoch zu einem Pluspunkt im Wettbewerb um Kunden.
Werden Händler die Geldumstellung zu versteckten Preiserhöhungen mißbrauchen? Der Wettbewerb wird dies verhindern. Die Verbraucher würden dann auf günstigere Angebote zurückgreifen. Die Währungsunion sorgt europaweit für bessere Vergleichbarkeit der Preise. Dadurch können die Verbraucher in Zukunft beim Einkaufen Geld sparen.

Der Euro stützt sich auf eine Stabilitätskultur - Die Kaufkraft bleibt unverändert

In der Bundesrepublik bewegt eine Frage die Gemüter: Wird der Euro so stabil wie die Mark? Dahinter steht die Befürchtung, die Währungsumstellung könne zu Verlusten beim eigenen Geldvermögen, bei der Kaufkraft des Einkommens oder der Rente führen. Noch hat sich nicht überall herumgesprochen, daß die Wirtschafts- und Währungsunion keine Währungsreform ist. Eine Währungsreform bedeutet, daß eine von galoppierender Inflation geschwächte Währung durch neues Geld ersetzt wird. Damit geht eine drastische Abwertung einher.
Beim Eintritt in die Endphase der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Januar 1999 dagegen findet keinerlei Abwertung, sondern lediglich eine Umrechnung statt. Alle bislang in D-Mark nominierten Größen werden durch denselben Faktor geteilt. Dadurch bleibt die Kaufkraft der Löhne und Renten ebenso unverändert wie der Wert eines Sparkontos. Alle Vergleiche hinken, aber vielleicht kann man sich den Zusammenhang am besten verdeutlichen, wenn man sich vorstellt, die Briten würden künftig nicht mehr in Fuß, sondern in Metern messen: Die Länge ihrer Grundstücke würde sich dadurch nicht verändern.
Auch mittelfristig ist gewährleistet, daß der Euro eine harte Währung wird. Die Wirtschafts- und Währungsunion ist als Stabilitätsgemeinschaft konzipiert, mit einer unabhängigen Zentralbank, die allein der Stabilität des Geldwertes verpflichtet ist. Dieser Auftrag ist im Maastricht-Vertrag festgeschrieben, der völkerrechtliche Verbindlichkeit hat. Nicht nur für die Geldpolitik wurde Vorsorge getroffen. Es ist auch dafür gesorgt, daß die Finanzpolitik die Stabilität des Geldwertes nicht unterminieren kann. Nicht nur beim Eintritt in die Währungsunion, sondern auf Dauer müssen übermäßige Haushaltsdefizite vermieden werden. Die Neuverschuldung darf 3% des Bruttoinlandsprodukts (BIP), also der jährlichen Wirtschaftsleistung, nicht überschreiten Im Stabilitäts- und Wachstumspakt, der auf deutsche Anregung zustande kam, ist diese Sicherung noch präzisiert worden.
Wirklich stabil ist eine Währung aber nur, wenn die Bevölkerung des Währungsraumes davon überzeugt ist, daß sie mit niedriger Inflation am besten fährt und sich entsprechend verhält. Das ist ist im künftigen Euroland schon heute der Fall. Die durchschnittliche Inflationsrate aller 15 Staaten der Europäischen Union ist von 12% im Jahr 1982 auf gegenwärtig unter 2% gesunken. Damit sind die Preissteigerungen europaweit auf einem historischen Tiefstand

Europäische Zentralbank hat ihren Sitz in Frankfurt - Die Schmiede des harten Euro

Mit dem Beginn der Wirtschafts- und Währungsunion am 1.Januar 1999 geht die Verantwortung für die Geldpolitik im Euro-Gebiet auf die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt a.M. über. Künftig wird der EZB-Rat alle geldpolitischen Beschlüsse fassen, also vor allem die Geldmarktzinsen festlegen. Dieser europäische Zentralbankrat setzt sich aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums und den elf Präsidenten der Zentralbanken zusammen. Denn die nationalen Notenbanken werden nicht aufgelöst, sondern sie bestehen weiter, allerdings als Teil des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) und ohne die Möglichkeit, eine autonome Geldpolitik zu betreiben. Ihre gesamte praktische Tätigkeit muß die EZB im knappen Zeitraum bis zum Jahresbeginn 1999 vorbereiten.
Präsident des Direktoriums der EZB ist der Niederländer Wim Duisenberg. Der Niederländer wird sich speziell der Aufgabe widmen, bei den Bürgern Vertrauen in das neue Geld zu schaffen und schon deshalb wird er für viele das markante Gesicht der EZB sein.
Vizepräsident mit Zuständigkeit für die Verwaltung und das Personal ist der Franzose Christian Noyer, dessen Amtszeit vier Jahre beträgt. Chefvolkswirt ist der Deutsche Otmar Issing, der vorher dem Direktorium der Bundesbank angehörte. Er hat eine Schlüsselstellung inne, weil der Chefvolkswirt durch seine konjunkturpolitischen Berichte die Beschlüsse des EZB-Rates vorbereitet, und bleibt acht Jahre im Amt. Die Finnin Sirkka Hämäläinen ist für die praktische Ausführung der Geld- und Devisenmarktgeschäfte der Bank zuständig, mit denen Zins und Wechselkurs des Euro beeinflußt werden. Sie wird dem Direktorium fünf Jahre lang angehören. Der Italiener Tommaso Padoa-Schioppa ist in den kommenden sieben Jahren für die internationalen Beziehungen der EZB sowie den Zahlungsverkehr zuständig. Der Spanier Eugenio Domingo Solans wird dem Direktorium sechs Jahre lang angehören und dabei speziell über die Informationssysteme und die Statistik wachen. Im Vertrag wurden gestaffelte Amtszeiten für die sechs Direktoriumsmitglieder festgelegt, damit die erste Mannschaft nicht auf einen Schlag ausscheidet.
Obwohl die EZB das zentrale Gremium des neuen Zentralbanksystems ist, wird sie keine Superbehörde sein. Mit einem Mitarbeiterstab von rund 500 Personen wird sie wesentlich kleiner sein als beispielsweise die Bundesbank, die 2.500 Mitarbeiter beschäftigt.

Langfristig fördert der Euro die Beschäftigung - Neue Jobs in Sicht

Ist der Euro eine Beschäftigungsmaschine oder wird er zum Jobkiller? In der Auseinandersetzung über das Für und Wider der Wirtschafts und Währungsunion spielen die erwarteten Arbeitsmarkteffekte eine große Rolle. Der Euro ist kein Patentrezept, um auf einen Schlag Jobs zu schaffen. Aber der Euro verbessert das Klima für Investitionen, Handel und damit auch für mehr Beschäftigung. Das gilt um so mehr, da langfristig mit niedrigen Zinsen im Euro-Raum zu rechnen ist. Sie wirken wie eine Vitamspritze auf die Konjunktur. In Deutschland hängt jeder fünfte Arbeitsplatz vom Export ab. Mehr als 40 Prozent unserer Ausfuhren gehen in die Länder, die beim Start der Währungsunion dabei sein werden. Und weil gegenüber diesen Ländern künftig keine Wechselkursrisiken mehr bestehen, gibt es auch weniger Risiken für die exportabhängigen Arbeitsplätze in Deutschland. Die exportstarke deutsche Wirtschaft hat alle Chancen, die mit der Einführung des Euro verbundenen Vorteile zu nutzen und damit Arbeitsplätze zu sichern sowie neue zu schaffen. Immer dann, wenn Hemmnisse für erfolgreiches Wirtschaften entfallen, wenn unternehmerische Tätigkeit effizienter wird, fließt mehr Geld in Erweiterungsinvestitionen, das heißt in neue Arbeitsplätze. Die Währungsunion beseitigt zahlreiche Hürden für die Europäische Wirtschaft: Umtauschgebühren entfallen, Kosten für die Absicherung gegen Wechselkursschwankungen fallen weg, der Export der Euro-Länder kann nicht mehr durch plötzliche Wertschwankungen ihrer Währungen beeinträchtigt werden. 1992/93 und 1995 haben die Währungskrisen in Europa das Wachstum stark gebremst und Hunderttausende von Arbeitsplätzen gekostet. Dieses Störfeuer wird es künftig nicht mehr geben, weil Euroland ähnlich wie die USA im Hinblick auf die Währung ein einheitlicher Markt wird. Davon wird gerade auch die Beschäftigung in der Bundesrepublik profitieren, denn Deutschland ist zwar ein Hochlohnland, aufgrund ihrer hohen Produktivität sind deutsche Arbeitnehmer aber relativ gesehen oft billiger als andere Arbeitskräfte. Häufige Aufwertungen der D-Mark haben diesen Effekt in der Vergangenheit leider zunichte gemacht. Das wird in Zukunft nicht mehr passieren. Der deutsche Arbeitsmarkt wird einer der größten Nutznießer einer dynamischeren Wirtschaft in Euroland sein.

Was nach dem Euro kommt - Schrittmacher für die europäische Einigung

Mit dem Euro hat sich die Europäische Union für eine gemeinsame Währung entschieden. Die Wirtschafts- und Währungsunion steht aber nicht nur für eine vertiefte wirtschaftliche Integration, sie ist auch ein politisches Projekt. Gut vierzig Jahre nach Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sind die Teilnehmerländer bereit, ein wesentliches Hoheitsrecht gemeinsam auszuüben.
Das Zusammenwirken in der Geld- und Währungspolitik wird ganz unmittelbar als Schrittmacher für das Zusammenwachsen Europas wirken. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik muß künftig abgestimmt werden, damit es nicht zu Konflikten mit der Geldpolitik kommt. Will ein Land sich zum Beispiel durch drastische Steuersenkungen Wettbewerbsvorteile verschaffen, werden die Partner das nicht hinnehmen. Erstens, weil eine Politik zu Lasten anderer nicht mit der Solidarität in einer Währungsunion vereinbar ist, aber auch, weil das betreffende Land in eine budgetäre Schieflage rutschen und damit seine Verpflichtungen zu solider Finanzpolitik gefährden könnte.
Das Beispiel zeigt: Entscheidungen, die früher rein innenpolitische Fragen waren, werden künftig zu einer Angelegenheit, die alle Partner berührt. Weil die Geld-, Wirtschafts- und Finanzpolitik eng mit vielen anderen Politiken verknüpft ist, werden auch Bereiche wie die Sozialpolitik oder der Umweltschutz stärker auf europäischer Ebene behandelt werden. Daraus entwickelt sich eine europäische Debatte. Schon heute fragen wir uns in Deutschland intensiv, was wir von der erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik der Holländer lernen können. Die Grenze zwischen nationalen und europäischen Themen wird durchlässiger.
 Soweit mit diesen Fortschritten bei der Integration auch verbunden ist, daß Entscheidungen auf europäischer Ebene gefällt werden, müssen die demokratischen Verfahren damit Schritt halten. Der Amsterdamer Vertrag hat einige Fortschritte bei den demokratischen Rechten des Europäischen Parlamentes gebracht. Sie reichen aber noch nicht aus. Es ist auch keine befriedigende Perspektive, lediglich zu verlangen, bestimmte Entscheidungsbefugnisse müßten aus Brüssel wieder zurückwandern in die Nationalstaaten. Denn höchst wichtige Fragen wie beispielsweise alles, was mit der Wirtschafts- und Währungsunion zu tun hat, können zwangsläufig nicht mehr vom Nationalstaat entschieden werden. Deshalb kommt es darauf an, die Meinungsbildung und Entscheidung auf der europäischen Ebene transparenter, verständlicher und demokratischer zu machen.Dazu gehört die weitere Stärkung des Europäischen Parlaments. Denn die Integration kann nur vertieft werden, wenn die Bürger dies auch wirklich wünschen.


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