Wenn Sie einen Netzzugang haben, dann werden Sie ihn natürlich sofort benutzen wollen, vor allem e-mail. Aber damit ist es wie mit einem neuen Telefonanschluß: Man sitzt davor und wartet, daß jemand anruft. Naja, wie soll jemand sofort anrufen können, wenn die Telefonnummer gar nicht bekannt ist? Ähnlich ist es mit der e-mail Adresse. Sorgen Sie also dafür, daß Ihre e-mail-Adresse schnell bekannt wird. Lassen Sie sie auf Ihre Visitenkarte drucken, auf Ihren Briefkopf, geben Sie sie Freunden und Bekannten mit, von denen Sie wissen, daß sie ebenfalls Netzzugang haben. Dann werden Sie bald e-mails in Ihrem Postfach finden. Wenn Sie an Ihrem Arbeitsplatz Netzzugang erhalten, dann werden Sie sich bald nicht mehr retten können vor e-mails; jeder wird etwas von Ihnen wollen: Chef, Kunden, Geschäftspartner, Werbeagenturen und Kollegen.
Abbildung 3-1: Auf modernen Visitenkarten findet man immer häufiger einen Hinweis auf eine e-mail-Adresse oder eine Webseite. Ebenso findet man solche Daten inzwischen auf Briefköpfen, Faxköpfen und in Werbekampagnen. Das Internet ist zur Zeit einer der billigsten Werbeträger - und die Kunden bezahlen noch dafür, daß sie die Werbung sehen dürfen. Das ist der Vorteil einer neuen Technik: Begeisterung überlagert die Arithmetik.
Ich kann Ihnen garantieren, daß Sie e-mail bald genauso erleben werden wie Ihren Briefkasten: Viel Werbemüll, einiges Offizielles und ab und zu private Mitteilungen. Ihr Verhältnis zu e-mail wird sich also bald relativieren.
Abbildung 3-1a: Protokoll einer SMTP-Sitzung. So läuft der Dialog
zwischen dem absendenden und dem empfangenden Mail Agenten ab, wenn Sie
auf die Taste "senden" drücken. Mit "helo" identifiziert sich der
einliefernde Mail Agent, mit "mail from" wird der Absender genannt und
mit "rcpt to" wird der Empfänger (recipient) definiert. Nach "data"
folgt der Text der Nachricht, die dann mit "." beendet wird. "quit" beendet
die Sitzung. Die Sitzung wurde auf einem Unix-System simuliert.
Wenn Sie mit Ihrem Rechner eines Ihrer Postfächer auf einem anderen Rechner lesen wollen, können Sie sich Ihre e-mails mit einem anderen Protokoll aus diesem Postfach holen. Dieses Protokoll heißt POP, Post Office Protocol. Oftmals wird dieses Protokoll im Zusammenhang mit PPP benutzt. Es gibt die Varianten POP2 und POP3. Wenn Sie per Netscape Ihre e-mail lesen, dann tun Sie das ebenfalls wahrscheinlich mit POP3.
Zudem benutzen die meisten Agenturen, die unerwünschte Werbe-e-mails verschicken, falsche Absenderadressen, so daß man sich nicht einmal beschweren kann. Aber im Verwaltungsheader der Mitteilung steht oftmals doch wenigstens ein Hinweis auf die absendende Stelle, also den Provider.
From Lsat@hungry.it1.earth-link.net Tue Oct 8 13:18:24 1996 Received: from hungry.it1.earth-link.net by netuse.de (SMI-8.6/SMI-SVR4) id NAA03993; Tue, 8 Oct 1996 13:18:21 +0200 Received: from Work_Station_1 (Cust116.Max22.Los-Angeles.CA.MS.UU.NET [153.34.81.116]) by hungry.it1.earth-link.net (8.7.5/8.7.3) with SMTP id DAA18984; Tue, 8 Oct 1996 03:58:21 -0700 (PDT) Message-Id: <199610081058.DAA18984@hungry.it1.earth-link.net> From: sat@link-sat.com Date: Tue, 08 Oct 1996 03:56:25 PDT Subject: Your ACCOUNT... Apparently-To: <vcs@vivaldi.netzuse.de> ARE YOU NUTS?????? Your provider for Internet Services is ripping you OFF! The Internet was designed to be FREE!! PLEASE PLEASE let us show you where/how you can get it free! Please Read Below. JUST FOR READING THIS YOU WILL GET A FREE EMAIL ACCOUNT!!!!!! --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- NEVER EVER pay for Internet Access AGAIN!!! E-V-E-R! .....Abbildung 3-2: Solche Werbesendungen finden Nutzer immer häufiger in ihrem elektronischen Postfach. Dabei ist die Tatsache ärgerlich, daß viele auch für den Empfang von Daten Geld bezahlen müssen. Die unerwünschten Zusendungen sind also nicht nur ein kleines Ärgernis, sie können auch durchaus ein wenig ins Geld gehen. Die Provider arbeiten allerdings inzwischen an Mechanismen, wie man solche e-mails, die in der Regel nur leeres Werbegeschwätz enthalten, einschränken kann.
Schicken Sie die unerwünschte e-mail mit einem Hinweis daraufhin zum Postmaster des absendenden Providers, hier also:
Allerdings tut sich in dieser Hinsicht einiges. Es gibt Bestrebungen, diese Art des Mißbrauchs unter Kontrolle zu bringen. Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Provider auf, er kann Ihnen auch in Fällen, in denen es keine fertige Lösung gibt, weiterhelfen. Sie werden auf solche Diskussionen im Netz stoßen. Eine Möglichkeit, mit UCB/UCE (unerwünschter e-mail) fertig zu werden, findet sich unter ORBS.
postmaster@ihr.netzverwalteroder
service@ihr.netzverwaltersenden. Dessen Aufgabe ist es unter anderem, sich um Ihre Probleme zu kümmern.
Und wenn so ein Fehler an Ihrem privaten Rechner passiert? Dann gibt es zwei Möglichkeiten:
Wenn Sie eine Fehlermeldung nach dem Versand einer e-mail erhalten, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, daß der Provider, bei dem Sie angeschlossen sind, in der Regel eine Kopie der fehlerhaften Nachricht erhält. Das geschieht zur Fehleranalyse. Ein guter Provider läßt sich nur eine Kopie des Verwaltungsheaders zusenden, es gibt aber auch noch welche, die eine Kopie auch des Inhaltes bekommen. Benutzen Sie für wichtige e-mails also grundsätzlich Verschlüsselungsverfahren (solange die noch zulässig sind). [3]
Wichtige e-mail-Adressen erhalten Sie durch Visitenkarten, Briefköpfe, Werbeanzeigen und -spots, Mundpropaganda, auf Parties und Geschäftstreffen, also auf demselben Wege, wie Sie wichtige Telefonnummern und Adressen erhalten.
Wenn Sie einen Namen wissen oder gar eine Benutzerkennung und auch noch die Institution, dann können Sie raten. Beispielsweise arbeitet Kollegin Erika Mustermann bei der Firma Schliemanns. Dann ist es wahrscheinlich, daß Sie mit "Erika.Mustermann@schliemanns.de" oder "emustermann@schliemanns.de" Glück haben könnten. Oder Kollege Hans Dampf arbeitet an der Universität Kiel. Dann kann man "Hans.Dampf@uni-kiel.de" probieren. Einfach versuchen, heißt die Devise. Wenn die e-mail mit einer Fehlermeldung zurückkommt, dann versuchen Sie es mit einer anderen e-mail-Adresse nochmals.
Sie können aber auch mit dem Programm finger suchen. Starten Sie das Programm finger (so vorhanden) und geben Sie den Namen, gefolgt von einem "@" und der vermuteten Rechneradresse an. Bei einer Kommandozeilenversion von finger also "finger Erika.Mustermann@sni.de". Mit Glück erhalten Sie dann die exakte e-mail-Adresse, also beispielsweise "emustermann@herkules.sni.de".
Eine wichtige Netzpersönlichkeit - naja, eben alle, die eine Domain haben - können Sie mit dem Programm whois erforschen. Starten Sie das Programm einfach und geben Sie den gesuchten Namen ein. Mit etwas Glück erhalten Sie die gewünschte Auskunft.
Einen natürlichen Namen können Sie auch über Archive und Suchmaschinen suchen lassen:
So ist es definitiv schon vorgekommen, daß sich eine Frau als Mann ausgegeben hat oder auch ein Mann als eine Frau. In praktisch keinem der Fälle hat die Mehrheit der Netzanwender überhaupt Verdacht geschöpft. Frauen geben sich gerne als Männer aus, um sich vor dummer und plumper Anmache zu schützen. Auch wenn Sie es nicht glauben, das passiert so sicher wie das Amen in der Kirche, und die baggernden Herren stellen sich damit meistens kein Zeugnis von Stil oder Intelligenz aus. Umgekehrt ist es eine erstaunlich interessante Erfahrung, wenn mann sich als Frau ausgibt. Was die männlichen Kollegen so alles herauslassen, wenn sie einer Frau schreiben ... einfach unglaublich!
Ziehen Sie aus all dem die Erfahrung, daß nicht die Person oder Firma hinter einer e-mail-Adresse stehen muß, die Sie vielleicht erwarten. In anderen Netzen sind Adressen verläßlich; sie sind zentral verwaltet. Das Internet hingegen ist ein loser Zusammenschluß vieler Netze. Hier kann es keine zentrale Verwaltung geben - und das ist auch nicht nur von Nachteil, oder?
In solchen Signatures kann man persönliche Daten, Kontaktdaten oder auch ein wenig Werbung stehen. Allerdings sollten Sie, falls Sie Privatnutzer sind, keine Adresse und auch keine Telefonnummer in die Signature schreiben. Ihr Name und eine Faxnummer reichen völlig aus. Wir leben zwar in der Informationsgesellschaft, aber das bedeutet ja nicht, daß man immer erreicht werden will, oder?
Xref: elrond.deceiver.org kiel.sysop:196 Path: elrond.deceiver.org!tpki.toppoint.de!news.netuse.de!white.koehntopp.de!news From: kris@koehntopp.de (Kristian =?ISO-8859-1?Q?K=F6hntopp?=) Newsgroups: kiel.sysop Subject: Re: Internet und Automobile am 11.+ 12.10.96 in Kiel Date: 14 Oct 1996 15:09:47 GMT Organization: "Generation @", Autorenkollektor zur Fabrikation von Gedankenfertigteilen. Lines: 15 Message-ID: <53tl3r$cdp@white.koehntopp.de> References: <325D30A7.62E1@medizinfo.com> <53ksek$cjd@white.koehntopp.de> <6Il7DRqmOSB@lenir.bonbit.org> NNTP-Posting-Host: black.koehntopp.de X-Copyright: (C) Copyright 1996 Kristian Koehntopp -- All rights reserved. X-Newsreader: NN version 6.5.0 #4 (NOV) dom@lenir.bonbit.org (Dom Jepsen) writes: >Und den Fremdcancel wird dann schon _irgendwer_ machen. Fremdcancels sollte nicht "irgendwer" machen, sondern jemand, der weiss, wie man die richtig macht. Also jemand, der weiss, was die $alz-Konvention und cyperspam-Konvention sind und wie man einen BI berechtnet (obwohl letzteres fuer die 30+ Kiel-Gruppen sinnlos ist).
Kristian
-- Kristian Koehntopp, Wassilystrasse 30, 24113 Kiel, +49 431 688897 "Mit ISO 9000 verhaelt es sich wie mit dem 'Gruenen Punkt' egal wieviel davon auf einer Verpackung kleben, es bleibt schlicht Muell..." -- stephan@forthdv.pfm-mainz.de (Stephan Forth)Abbildung 3-3: Signaturen (hier blau dargestellt), die "Schwänze" an den Newsartikeln und e-mails, sind eine hübsche Tradition. Wenn man einige Regeln beachtet, wird man damit positive Wirkung erzielen. Die Signaturen sollten vier Zeilen nicht überschreiten, wenn ein Zitat benutzt wird, sollte es nicht zu plump sein und ab und zu gegen ein anderes ausgetauscht werden. Allerdings sollten Sie als Privatperson nicht Ihre Adresse oder Telefonnummer zitieren, wenn Sie nicht ab und zu Besuch von allzu aufdringlichen Netzfreunden oder noch mehr Werbung im Briefkasten haben wollen.

