news

Wo wir den einzigen öffentlichen Dienst des Netzes finden, in dem noch wirklich Meinungsfreiheit herrscht, jedoch vielleicht nicht mehr lange...

Das Kommunikationsmedium überhaupt. Sie werden automatisch darüber stolpern. Wenn jemand davon redet, daß "das Internet so herrlich anarchistisch" sei, dann hat er das irgendwo aufgeschnappt und macht in romantisierendem Wunschdenken zwei Fehler:

Was heißt "posten"?

Amerikanische Begriffe bezeichnen eher die Tätigkeit als die dafür benutzte Technik. Da die newsgroups als so etwas wie "Schwarze Bretter" angesehen werden, werden Nachrichten dort "angeheftet" (engl.: to post). Wenn solche Begriffe dann in den deutschen Sprachraum gelangen, werden sie nicht übersetzt, sondern einfach eingedeutscht. Somit wird aus "to post" eben "posten"; ausgesprochen wird es noch mit einem Hauch von amerikanischem "o", also wie in "Sauce".

Wenn Sie also einen Artikel in einer newsgroup veröffentlichen, dann haben Sie ihn "gepostet". Der Artikel wird dann auch "posting" genannt.

Was heißt NNTP?

An News kommen Sie auf mehreren Wegen, denn News sind nicht vom Transportnetz abhängig. In der Regel werden Sie News über das Internet bekommen oder per UUCP. Wenn Sie an einem Onlinedienst teilnehmen, bekommen Sie News über dessen Transportsystem.

Innerhalb eines echten Internetzugangs haben Sie die Möglichkeit, Internetverbindungen auch für den Newstransport zu nutzen. Ihr Newsprogramm (beispielsweise Netscape) nimmt dabei Verbindung mit einem sogenannten NNTP-Newsserver auf. Der muß natürlich vorher definiert werden und liegt in der Regel bei Ihrem Provider. Aber Sie können auch einen oder mehrere beliebige andere Newsserver irgendwo auf der Welt nutzen. Ihr Newsprogramm bekommt dann von dem NNTP-Newsserver eine Liste von newsgroups, von denen Sie einige bestellen (subscribe). Danach erhalten Sie Listen von verfügbaren newsgroups von dem Server. Wenn Sie einen Artikel lesen möchten, wird er nun erst auf Ihren Rechner kopiert und Sie können ihn lesen. Der Nachteil ist, daß Sie während des Lesens eine Verbindung aufrecht erhalten müssen. Deswegen ist es vor allem für private Anwendungen empfehlenswert, statt NNTP lieber UUCP zu benutzen. 


Abbildung 3-4: News kann per NNTP geholt werden. Das wird über eine Netzverbindung zu einem NNTP-Newsserver gemacht. Der kann an einem beliebigen Ort auf der Welt stehen. Zunächst holt das Programm eine Liste mit newsgroups, von denen man sich einige aussucht (subscribe). Danach erhält man eine Liste der Artikel in einer ausgewählten newsgroup. Erst wenn man einen Artikel lesen will, wird er vom Server auf den eigenen Rechner kopiert. Man spart durch diese Methode sehr viel Plattenplatz, jedoch benötigt man die ganze Zeit während des Lesens eine stehene Verbindung. Deswegen ist dieses Protokoll nur für Standleitungsbenutzer zu empfehlen. Nutzer einer Wählleitung, die im Zeittakt abgerechnet wird, sollten auf UUCP ausweichen.


Darf man Binärdateien (z.B. Bilder oder Programme) als Artikel posten?

Ja, man darf. Aber nicht überall. Es gibt spezielle newsgroups, die der Verbreitung von Binärdateien dienen. Als strikte Regel gilt allerdings:

Niemals Binärdateien in newsgroups, die zur Diskussion dienen, veröffentlichen!

Im Zweifelsfalle können Sie in der newsgroup nachfragen, ob genügend Interesse besteht. Eine bessere und bewährte Methode ist, die Datei auf einem ftp-Server abzulegen und einen Hinweis darauf in der newsgroup veröffentlichen. Dann kann jeder Interessierte sie selbst dort abholen.

Wozu dient das Subject bei Newsartikeln?

Eine Betreffzeile (Subject) kennen wir ja schon aus e-mail-Headern. In den News hat diese Zeile einen ähnlichen Zweck. Das Grundthema des Artikels wird darin angekündigt.

Das Subject hat je nach Absicht verschiedene inhaltliche Schwerpunkte:

Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie dem "Subject" widmen, wenn Sie sich in einer Diskussion mit anderen befinden. Es ist dann leicht möglich, daß auf einen Artikel von Ihnen mehrere Teilnehmer antworten. Dabei kommt es vor, daß die verschiedenen Antworten auch verschiedene Aspekte Ihres Artikels betreffen, manchmal weichen die Einwürfe soweit vom diskutierten Thema ab, daß dann das Subject nicht mehr zutreffend ist.

Ändern Sie in so einem Falle das Subject, wenn Sie wieder antworten. Es gibt zwar keine allgemein gültige Form dafür, aber es hat sich bewährt, daß man zunächst das neue Thema hinschreibt und dahinter in Klammern das alte Thema.

Ich wollte einen Artikel zu einem bestimmten Subject lesen. Aber im Artikel stand etwas anderes als im Subject angegeben. Warum?

Weil der Autor des Artikels versäumt hat, das Subject zu wechseln. Eine Diskussion kann, vor allem wenn sie länger dauert, das Thema wechseln. Unterlassen die Teilnehmer den Subjectwechsel, dann hat der Diskussionsverlauf, auch thread genannt, keinen Zusammenhang mehr mit dem Subject.

Es ist recht einfach, eine Änderung durchzuführen. War beispielsweise das Originalthema "Offiziersränge der Enterprise Crew" und jemand fängt eine Nebendiskussion über eine spezielle Figur, sagen wir Data, an, dann könnte ein ordentlicher Subject-Wechsel so aussehen:

Subject: Data's Rang und Funktion (war: Offiziersränge der Enterprise Crew)
In einer internationalen Diskussion kann das deutsche "war" durch das englische "was" ersetzt werden.

Es wird leider zu wenig darauf geachtet; das Resultat ist, daß Sie ein Sie interessierendes Subject finden, und wenn Sie es dann lesen, enttäuscht sind, weil es um etwas ganz anderes geht. Die Teilnehmer der Diskussion haben eben versäumt, das Subject rechtzeitig zu wechseln.

Gestern sah ich einen Artikel, auf den ich heute antworten wollte. Der Artikel ist nun verschwunden. Wie kommt das?

Jeden Tag werden hunderttausende von Artikeln in aller Welt über den ganzen Globus verschickt. Würde man alle Artikel aufbewahren, würden die Platten der Anbieter schnell überlaufen. Deswegen läßt die Software, welche die Newsartikel verwaltet, zu, für jede newsgroup eine Art Verfalldatum einzustellen, je nach lokaler Plattenkapazität. Dieses Verfalldatum nennt man auch "Haltezeit". Die Haltezeit ist gewöhnlich nicht länger als eine Woche, auf vielen News-Servern ist sie schon auf einen Tag gesunken, da die Menge an Newsartikeln ständig anwächst.

Damit ist die Erkärung der eigentlichen Frage einfach: In der Zeit zwischen dem Lesen des Artikels und dem Wunsch, auf ihn zu antworten, ist der Artikel von dem lokalen System automatisch gelöscht worden. Man nennt das auch expire.

Um ihn dennoch zu finden, können Sie eines der Archive konsultieren, beispielsweise Dejanews (http://www.deja.com).

Der Artikel, den ich geschrieben habe, taucht nicht auf. Warum?

Vielleicht waren Sie zu ungeduldig. Denn Ihr Artikel gelangt, nachdem Sie ihn dem System übergeben haben, in eine Warteschlange und von dort in einen komplizierten Ablauf. Diese Schlangen werden in regelmäßigen Zeitabständen abgearbeitet, manchmal sofort, manchmal alle 10 Minuten, manchmal nur jede Stunde einmal. Warten Sie also einfach ein wenig.

Sollte der Artikel dann immer noch nicht auftauchen, schauen Sie in Ihr e-mail Postfach. Eventuell liegt der Artikel dort mit einer Fehlermeldung des Newssystems. Falls Sie damit nichts anfangen können, senden Sie die komplette Fehlermeldung an den Service Ihres Providers. Der kann Ihnen dann weiterhelfen. Oftmals liegt es aber nur daran, daß Sie den Namen der gewünschten newsgroup nicht richtig geschrieben haben.

Hier ein Beispiel des mißlungenen Versuchs, in die nicht existierende newsgroup "de.talk.stammtisch" eine Nachricht zu setzen: 


From freitag@elrond.deceiver.org Mon Oct 14 20:11:29 1996
Return-Path: freitag
Received: (from freitag@localhost) by elrond.deceiver.org (8.6.12/8.6.12) id UAA03077; Mon, 14 Oct 1996 20:11:27 +0100
Date: Mon, 14 Oct 1996 20:11:27 +0100
From: Claus Schoenleber <freitag@elrond.deceiver.org>
Message-Id: <199610141911.UAA03077@elrond.deceiver.org>
To: freitag@elrond.deceiver.org
Subject: follow failed
Status: RO

/var/lib/news/bin/inject/injnews: de.talk.stammtisch: no groups in active file
/var/lib/news/bin/inject/injnews: article in /home/freitag/dead.article
/usr/bin/inews failed
Your response has been saved in ~/dead.letter
Your article/letter follows:
Newsgroups: de.talk.stammtisch
Subject: Re: Donnerschlag!
References: <6IlxPCgidvB@holzkiste.toppoint.de>
Blabla...
Abbildung 3-5: Hier sehen Sie das Beispiel für einen mißlungenen Newsartikel. Es wurde versucht, in eine nichtexistierende newsgroup zu schreiben. Das System hat den Artikel zurückgewiesen und eine Fehlermeldung an den Autoren geschickt.

Ein weiterer Grund, daß eine Antwort auf einen Artikel nicht auftaucht, kann sein, daß der Autor des Artikels, auf den Sie antworten wollten, dafür gesorgt hat, daß die Antwort nur ihn alleine erreicht. Jeder kann das tun. Sie tragen einfach im Verwaltungskopf des Artikels folgende Zeile ein:

Followup-To: poster
Die Zeile "Followup-To:" bedeutet, daß eine Antwort auf Ihren Artikel in der dahinter stehenden newsgroup erscheinen wird. Man kann dadurch Nebendiskussionen in eine andere newsgroup verlagern.

Zum Beispiel sorgt

Followup-To: de.talk.newusers
dafür, daß alle Antworten in der angebenen newsgroup landen. Schreibt man statt des Namens einer newsgroup das Wort "poster" dorthin, so bedeutet das, daß die Antwort nicht als Newsartikel, sondern als e-mail an den Autoren geschickt wird.

Ich möchte einen Artikel abspeichern.

Nichts einfacher als das. Die meisten Newsprogramme erlauben, den Artikel, den man gerade ansieht, auf der benutzten Platte abzuspeichern.

Das einzige Problem, das auftauchen könnte, begegnet Ihnen bei einigen Onlinezugängen. Denn der abgespeicherte Newsartikel liegt dann nicht auf Ihrer Platte, sondern auf der des Onlineanbieters. Möchten Sie die abgespeicherten Artikel auch auf Ihrer lokalen Platte haben, müssen Sie diese gesondert mit einerm Dateiübertragungsprotokoll auf Ihren Rechner kopieren. In der Anleitung des von Ihnen benutzten Programms steht, wie das geht. Meistens über "Datei-Speichern".

Ich möchte gerne eine newsgroup über {Star Trek, Ski fahren, Mathematik, ...} lesen. Wie finde ich sie?

Versuchen Sie, von einem Oberbegriff zu Ihrem Thema zu gelangen. Es gibt verschiedene Hierarchien, bei denen man anfangen kann:
comp    Informatik, Hardware, Software, verwandte Themen.
misc    Alle Themen, die nicht in die übrigen Hierarchien passen.
news    alles um die net news, Anleitungen und Informationen für Neulinge:      
        news.newusers, news.announce.newusers.  
        Diese beiden newsgroups stellen die Pflichtlektüre für neue Benutzer dar!
rec     Hobbies, Freizeitbeschäftigungen und Kunst.
sci     Forschung und Technik (außer Computer), alle Wissenschaften.
soc     Sozialen Themen, von Soziologie über Kultur bis Politik.
talk    Der Stammtisch; von Freizeit bis zu Religiösem und Weltanschaulichem
alt     alles aus einer etwas anderen Sichtweise                
        Der Schmelztiegel der "anderen Denkweise". Manchmal sinnlos scheinend
bionet  Biologie.
biz     Kommerzielle Fragen und Themen. Alleine hier ist auch Werbung erlaubt
de      Deutschsprachige Ausgabe des Usenet.            
        Internationale Diskussionen in deutscher Sprache.
gnu     Über die Free Software Foundation und das Projekt "GNU".                
        Software unter dem GNU-Label ist kostenlos, frei verfügbar und sehr     
        leistungsfähig. Aber es sind Bedingungen daran geknüpft (GNU-Licence).
vmsnet  Hierarchie über Digital Research's VAX/VMS-Welt.
Um beispielsweise einige in der Überschrift erwähnten newsgroups zu finden, wird man vom allgemeineren Begriff zum spezielleren gehen und auf folgende newsgroups treffen:
rec Freizeit
arts Künste (im weitesten Sinne)
startrek Fernsehserie "Startrek"
ergibt: rec.arts.startrek
 
sci Wissenschaft
math Mathematik
ergibt: sci.math

Sie werden sehr schnell das System begreifen und danach auch recht schnell feststellen, ob eine newsgroup nach Ihrem Geschmack dabei ist.

Was ist eine FAQ?

Die Abkürzung FAQ steht für Frequently Asked Questions und ist nicht nur eine Sammlung von Fragen, sondern auch die Sammlung der dazugehörigen Antworten. FAQs sind (noch) die Perlen des Netzes, denn sie enthalten in konzentrierter Form das Grundwissen über ein bestimmtes Thema. Auch dieses Buch wurde größtenteils als FAQ verfaßt.

Sie dienen zweierlei Motiven:


Abbildung 3-6: FAQs werden regelmäßig in einer eigenen newsgroup veröffentlicht. Hier findet man kompakte Einführungen in alle nur denkbaren Gebiete.


Die traditionellen FAQs werden nach wissenschaftler Tradition (denn das Internet hat seinen Ursprung in wissenschaftlichen Experimenten) sorgfältig und klar gegliedert geschrieben. Das tun irgendwelche Leute, die meinen, daß so etwas geschrieben werden müßte. In der Regel freiwillig und ohne Bezahlung; es gibt zwar auch kommerzielle FAQs, aber die erkennt man normalerweise. Nachdem sie in einer newsgroup veröffentlicht wurden, reagieren viele Teilnehmer, indem sie dem Autoren Korrekturen, Ergänzungen oder Verbesserungsvorschläge schicken. Dies alles wird eingearbeitet, und nach einiger Zeit sind die FAQs umfangreich, kompakt und kompetent. Und das beste von allem: Selbst nach Abrechnung aller Netzkosten billiger als ein Einführungsbuch. Zwar werden Fachbücher durch FAQs nicht ersetzt, aber FAQs sind eine wunderbare Ergänzung, manchmal sogar einzige zuverlässige Quelle.

FAQs gibt es in allen Bereichen; es gibt sie über Bier, Diabetes, Katzen- und Hundehaltung, über alle möglichen Programme und Systeme, über das Netz selbst natürlich, über andere Länder, Bücher, Kulturen, über Sport, Hobbies, Fernsehserien und vieles mehr. FAQs werden ständig aktualisiert und es gibt für sie auch eine eigene newsgroup: news.answers oder de.answers.

Kann man eigene Artikel wieder löschen?

Ja, man kann. Sogenannte cancel-Nachrichten kann man für seine eigene Artikel jederzeit losschicken. Das Problem ist ein anderes. Da der Weg, den der Artikel gegangen ist, nicht nachvollzogen werden kann, basieren solche "Cancels" auf einer möglichst schnellen und weiten Verbreitung. Sie werden sozusagen in den Tümpel hinterhergeschmissen. Aber einerseits: Kommen die Cancels etwas später an, so haben bestimmt schon einige Menschen den betreffenden Artikel gelesen. Das Canceln ist also relativ nutzlos. Darüberhinaus wird der Artikel ja sowieso bald gelöscht. Andrerseits führen viele Systeme Cancel-Meldungen gar nicht mehr aus, weil sie eigentlich sinnlos sind und weil in der Vergangenheit zuviel Mißbrauch damit betrieben wurde.

Schließlich kann der Artikel noch in andere Netze gelangen; in denen gibt es aber nicht auch mit Sicherheit solch einen Mechanismus. Cancel-Meldungen bleiben also in den Gateways, den Übergängen in die anderen Netze, einfach stecken. 


Abbildung 3-7: Mit einer Cancel-Nachricht kann man seine eigenen Artikel löschen. Da das aber auf jedem Rechner in der Welt gemacht werden muß, auf dem der Artikel zu finden ist (was praktisch nicht nachprüfbar ist), sind Cancel-Meldungen eher ein hoffnungsloser Versuch, eigene Veröffentlichungen ungeschehen zu machen. Besser ist, man denkt vorher zweimal über die Veröffentlichung eines Artikels nach.


Es ist also besser, über seinen Artikel nachzudenken, bevor man ihn abschickt. Wenn er einmal unterwegs ist, gibt es in der Praxis eigentlich kaum eine Möglichkeit, ihn zu stoppen. Jeder kann ihn dann lesen. Unbedachte und vorschnelle Veröffentlichung hat schon manchesmal einen monatelangen, erbitterten Streit vom Zaune gebrochen, der eigentlich überflüssig war.
 


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