Archie - WWW (World Wide Web)

In welchem wir uns auf einen nostalgischen Ausflug in die Historie des Internets begeben und die alten Archies besuchen, wohernach wir uns dann mit dem Protokolle beschäftigen werden, das die meisten nur unter der - falschen - Bezeichnung Internet kennenlernen.
 

Archie: Wie geht man damit um?

Wie im Abschnitt über ftp schon beschrieben, gibt es kaum noch klassische Archie-Server. Vor allem der nachstehend erwähnte deutsche Archie der TH-Darmstadt, ist nicht mehr vorhanden. Wer das Gefühl eines klassischen Archies noch erleben will, benutze heute  archie.rutgers.edu.

[Das galt noch im April 2000. Seit einiger Zeit ist auch dieser Archie nicht mehr verfügbar. Betrachten Sie also diesen Abschnitt als nostalgischen Rückblick. Lesen Sie dazu die Stellungnahme des schweizerischen Archie. Anm. des Autors, Januar 2001]



Einen Archie-Server erreicht man mit telnet (hier in diesem Falle darf man telnet ohne Probleme benutzen, da kein echtes Passwort übertragen wird), als Login benutzt man die Kennung "archie". Es wird kein Kennwort abgefragt. Nun kann man mit
prog <zeichenkette>
nach der Datei suchen. Natürlich geben Sie statt <zeichenkette> den Dateinamen der Datei ein, die Sie suchen (oder auch nur einen Teil davon).

Beispielsweise suchen Sie etwas über Linux, also suchen Sie "prog linux". Danach erhalten Sie eine Liste von Servern, die etwas über Linux führen. 


Abbildung 3-14: Mit einem Archie kann man nach Dateien suchen, die auf ftp-Servern angeboten werden. Nachdem man mit dem Archie Kontakt aufgenommen hat, gibt man den Suchbefehl ein und erhält eine Liste von Servern und Verzeichnissen, in denen eventuell die gesuchten Dateien enthalten sind. Inzwischen sind die meisten Archies auf WWW-Zugang umgestellt worden. 


WWW

Aus der Schweiz kommen nicht nur Käse und Uhren. Die Schweiz ist auch Ursprungsort des wildesten Protokolls, das jemals über das Internet verbreitet wurde. Am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf sollte ein neues Informationssystem helfen, nicht den Überblick über die riesigen Mengen an Experimentierdaten, Projekten und Veröffentlichungen zu verlieren. Im März 1989 schlug ein Mitarbeiter von CERN, Tim Berners-Lee, ein Projekt vor, über das die CERN-Mitarbeiter, die in vielen Ländern arbeiten, ihre Informationen und Ergebnisse austauschen konnten. Es wurden dazu mehrere Ideen zu einem Protokoll verschmolzen. Man kombinierte die Technik der netztransparenten Datenbank mit der Idee des Hypertext. Und es wurde schnell der Nutzen für das Internet erkannt.

Eine netztransparente Datenbank ist einfach eine Datenbank, deren verschiedene Teile auf verschiedenen, miteinander vernetzten Rechnern liegen. Die Rechner können dabei auch weltweit verstreut liegen. Hypertext ist einfach eine andere Bezeichnung für eine lexikonartige Ordnung. In einem Lexikon stehen Begriffe alphabetisch sortiert und zu jedem Begriff gibt es einen erklärenden Text. Dabei sind in so einem Text einige Begriffe hervorgehoben (in einem Lexikon durch Verweispfeil). Untere deren Eintrag findet man weitere erklärende Texte. Dieser Mechanismus wird in allen texten fortgesetzt. Ein gutes Lexikon hat weitverzweigte und viele Verweispfeile. MS-Windowsanwender kennen solche elektronischen Lexika als "Windows-Hilfesystem".

Das World Wide Web, oder kurz: WWW, war geboren. In der Zwischenzeit war WWW der Grund dafür, daß wesentlich schnellere Leitungen installiert werden mußten, daß sich plötzlich alle Welt für das Internet interessiert und daß auch die Firmen das Internet entdeckt haben. Kurz: Es gibt weniger Information und dafür wesentlich mehr bunte Bilder. Und man braucht nur noch eine Maus, um alles zu Gesicht zu bekommen.

WWW ist so übermächtig geworden, daß es - fälschlicherweise - mit dem Internet verwechselt wird. WWW ist aber nur einer von vielen Diensten, die über das Internet transportiert werden, genau wie ftp, telnet, SMTP, NNTP und so fort.

Schließlich kann es sich heute niemand mehr erlauben, nicht im WWW präsent zu sein. Eine eigene Homepage ist einfach Pflicht, um in der Szene (welcher auch immer) hip zu sein und eine Firma ohne Webseite ist so veraltet wie ein Buchhalter mit Kopierstift, Ärmelschonern und Augenschirm. Und man möchte ja weder unhip noch veraltet sein, oder?

Was ist ein Browser?

Das Programm, mit dem Sie an der großen, bunten Welt der Bilder teilnehmen können, wird Browser genannt. Allerdings, man täte diesen Programmen unrecht, wenn man die Beschreibung hier enden lassen würde. Browser sind ein wunderbarer Ansatz, in ein sympathisch-chaotisches Netz etwas Norm zu bringen. Denn mit modernen Browsern lassen sich verschiedene Dienste mit derselben Benutzungsoberfläche verwenden, so zum Beispiel ftp, WWW, news, e-mail, gopher, wais.

Der erste Browser war NCSA-Mosaic und war schon erstaunlich. Auch die heutige Version ist durchaus pfiffig. Einfach mal zur Abwechslung ausprobieren. Dann wurde er von Netscape verdrängt. Inzwischen ist die Firma Netscape zerschlagen, die Software ging zu Sun, der Browser gehoert heute AOL. Der witzigste Browser ist Cello. Er wurde von einem freundlichen Juristen, Thomas R. Bruce von der Cornell Law School in Ithaca (New York), geschrieben. Das Programm kann nur die nötigsten Funktionen, aber jeder kann es, auch kommerziell, ohne Gebühren verwenden; vorausgesetzt er schickt dem Autoren ein Belegexemplar für dessen Anwendung. Natürlich hat auch Microsoft einen Browser auf den Markt gebracht, der inzwischen zum Umfang des Betriebssystems gehört. Wahrscheinlich benutzen Sie ihn sogar gerade: MS-InternetExplorer. Eine europäische Entwicklung soll hier erwähnt werden, weil es nicht häufig vorkommt, daß europäische Firmen das glatte Parkett der Software betreten. In Norwegen wird ein sehr guter Browser gebaut, Opera. Ein Probesurfen mit diesem Programm lohnt sich wirklich! Und nicht zu vergessen LYNX, ein Browser ausschliesslich für Textbildschirme, der gerne von Profis verwendet wird, weil man sich die voluminöse Übertragung der Grafiken spart.

Welchen Browser soll ich verwenden?

Das ist Geschmackssache. Die beiden großen Browser sind der MS-InternetExplorer und Netscape Communicator. Der Rest teilt sich unter ein paar Dutzend Programmen auf.

 

Abbildung 3-15: Mit Browsern, das sind einheitliche Benutzungsoberflächen für verschiedene Netzdienste, kann man bequem per Mausklick im Internet "surfen". Das Bild zeigt den Textbrowser LYNX für Unix, der die WWW-Seite des FBI aufgerufen hat. LYNX beschleunigt den Zugang, weil er auf das Laden der Bilder verzichtet. Deswegen benutzen viele Profis diesen Browser.


Was ist ein Proxy?

Es kommt häufig vor, daß eine Webseite von mehreren Benutzern innerhalb eines lokalen Netzes angeschaut wird. Das bedeutet technisch, daß die komplette Seite über das Netz zum Provider kopiert werden muß. Sitzen nun all diese Benutzer mit ihrem Rechner am selben Provider, dann merkt man schnell, daß hier etwas wenig sinnvolles passiert: Ein und dieselbe Datei wird mehrmals über dieselbe Leitung zum selben Ziel kopiert. Vor dem Hintergrund der sowieso schon hoffnungslos überlasteten Leitungen ist das ein ziemlich dümmliches Verfahren. Die Lösung ist sehr einfach: Man speichert die kopierten Seiten langfristig auf einer lokalen Platte. Fordert ein Benutzer nun eine Seite an, wird vorher geprüft, ob sie lokal noch vorrätig ist. Wenn ja, dann wird dem Benutzer diese Kopie gezeigt, die Seite wird nicht nocheinmal über die Leitung geholt. Solche Einrichtungen gibt es nicht nur für WWW, sondern auch für andere Dienste, z.B. ftp.

Was ist eine URL?

Das ist die übliche Adressform, die im WWW benutzt wird. URL bedeutet Uniform Resource Locator. Sie besteht aus zwei Teilen: zuerst kommt die Methode, danach die komplette Adresse der Datei, bestehend aus Rechnernamen, Verzeichnis und eventuell noch einem Dateinamen.

Beispiele:

Im ersten Fall wird eine WWW-Verbindung (Methode http:)aufgemacht und die betreffende Indexseite angezeigt. Im zweiten Falle wird eine ftp-Verbindung (Methode ftp:) zu dem betreffenden finnischen Rechner aufgemacht.

Was bedeuten http, HTML, Homepage?

http            Hypertext Transmission Protocol. Das ist das Protokoll, das die Seiten überträgt
HTML            Hypertext Markup Language. Das ist die Sprache, in der die Seiten definiert werden.
Homepage        Das ist die Sammlung der Seiten, die Sie in HTML geschrieben haben.

Abbildung 3-16: Webseiten werden nicht komplett als Grafik übertragen, sondern als reiner Text, wobei natürlich die Bilder extra übertragen werden müssen. Der in der Beschreibungssprache HTML formulierte Text wird im Browser des Empfängers aufbereitet und dargestellt. Hier sehen Sie einen Auszug aus einer älteren HTML-Datei (die gezeigten inhaltlichen Daten sind inzwischen veraltet). HTML ist ein Dateiformat wie MS-Word Dokument, Rich Text Format (RTF) oder Textdatei (ASCII). 


Wie finde ich mich in dem Dschungel der Webseiten zurecht?

Ohne Hilfe gar nicht. Es gibt inzwischen so viele Webseiten, daß auch Experten kaum eine Chance haben, die Übersicht zu behalten. Täglich wächst die Zahl sogar noch erheblich an.

Es gibt aber Suchmaschinen, die mittels Stichworten eine Liste von Webseiten ausspucken, in denen man oftmals das Gewünschte findet. Ohne solche Suchmaschinen brauchen Sie gar nicht erst ins Web zu schauen. Sie würden sich sofort verlieren oder irgendwo steckenbleiben.

Diese Archive werden von verschiedenen Stellen betrieben. Man muß folgende Arten unterscheiden (nicht vollständig):

Inzwischen geht die Entwicklung zu Portalen.Das sind Anfangspunkte im WWW, von denen man sich weiterleiten kann. Firmen können so Kunden an sich und ihre Geschäftspartner binden und der Verbraucher zu den "richtigen" Seiten geführt werden. Wenn man im Hinterkopf behält, daß der Schwerpunkt hier kommerzielle Interessen sind, kann man diese Portale auch für sich selbst gewinnbringend nutzen.

Eine willkürliche Auswahl einiger solcher Einrichtungen:



Suchmaschinen: Portale: Archiv:

Was man mit solchen Suchmaschinen finden kann, ist schon erstaunlich. Man kann die Lebensgeschichte von Personen nachzeichnen (soweit Sie sich halbwegs netzöffentlich abgespielt hat), man kann zu jedem noch so unwichtigen Thema Kilotonnen von Daten erhalten und nebenbei auch noch viel über sich und die eigenen Publikationen erfahren. Für MS-Windows-Benutzer gibt es auch noch einen lokalen Meta-Suchmaschinen-Clienten: WebFerret. Einfach mal probieren.

Ich kann die Geräusche oder Musik nicht hören, die angeboten werden. Auch die Filmsequenzen funktionieren nicht. Warum?

Es gibt eine ganze Reihe von Zusatzprogrammen oder "plugins", die man aber erst installieren muß, um Bildern das Laufen beizubringen oder das Musikstück hören zu können.

Sie finden Hinweise darauf zum Beispiel auf der WWW-Seite der Firma Netscape. Vor allem für die gängigen Betriebssysteme, allen voran die von Microsoft, gibt es solche Zusatzprogramme.

Bookmarks oder Lesezeichen. Was ist das und wie verwendet man das?

Mit der Funktion Bookmarks könne Sie die URLs abspeichern, die Sie nochmal besuchen oder häufiger besuchen wollen. Dabei können Sie die Liste auch baumartig strukturieren, so wie Ihre Verzeichnisse auf Ihrer Platte. 

Abbildung 3-18: Mit Bookmarks, also Lesezeichen, kann man sich Webseiten, die man häufiger besuchen möchte, merken. Damit die Liste nicht zu unübersichtlich wird, lassen sich die Bookmarks wie ein Baum anordnen und dadurch thematisch unterteilen. 


Die baumartige Strukturierung wird durch Windows-Bookmarks gesteuert. Eine klar strukturierte Lesezeichendatei kann Ihnen den schnellen Zugang zu bestimmten Webseiten, wie zum Beispiel Suchmaschinen erheblich vereinfachen. Und die baumstruktur verhindert, daß die Liste unübersehbar lang wird.

Ich kann den Text auf einer Seite nicht lesen.

Vor allem japanische Webseiten sind natürlich nicht im lateinischen Alphabet, sondern vorwiegend mit japanischen Schriftzeichen gestaltet. Um so eine Seite lesbar zu gestalten, müssen Sie einen anderen Zeichensatz einstellen. Dort wählen Sie im Falle einer japanischen Seite einfach den japanischen Zeichensatz aus. Sobald Sie das gemacht haben, können Sie die Seite wahrscheinlich zwar immer noch nicht lesen, aber sie sieht jetzt wesentlich hübscher aus. 
 

Abbildung 3-19: Beim Besuch von "exotischen" Webseiten kann es vorkommen, daß sie nicht mehr mit dem normalen Zeichensatz dargestellt werden können. Hier sehen Sie zum Beispiel eine japanische Seite, einmal in der Darstellung mit dem "falschen", europäischen Zeichensatz und darüber mit dem richtigen. Netscape bietet die Option, das einzustellen. Allerdings müssen Sie auch den richtigen Zeichensatz auch auf Ihrem Rechner vorrätig haben. Sie erhalten solche Zeichensätze im Netz oder bei Ihrem Fachhändler. 


Allerdings nutzt Ihnen das Umschalten nichts, wenn Sie den Zeichensatz nicht irgendwo auf dem Rechner haben. Wollen Sie also auch exotische Webseiten lesen, oder zumindest betrachten können, dann müssen Sie dei nötigen Zeichensätze besorgen. Ihr Fachhändler wird die für Ihr Betriebssystem geeigneten haben. Oder Sie suchen im Netz danach.
 

 
   


(c) 1997/2000. All rights reserved. No commercial publishing without author's permission.
Commercial Networks: Please ask for licence fees for importing this data in your network.