2. Kapitel: Installation

"Das Spiel beginnt." (Sherlock Holmes)
In welchem der geneigte Leser einfach ins kalte Wasser geschubst wird, ihm der Schleier einiger "Geheimnisse" gelüftet werden und ihm einige Merksätze auf den Weg gegeben werden.

Auch wenn es nicht dem Zeitgeist entspricht, hier müssen Sie vorher genau wissen, was Sie wollen. Wenn Sie ein Unix-Derivat benutzen, zum Beispiel Linux, dann müssen Sie praktisch kaum mehr etwas tun; Sie haben dann schon alles installiert, was notwendig ist. Benutzen Sie dagegen MS-Windows, in welcher Version auch immer, dann müssen Sie doch noch etwas dazuinstallieren (MS-Windows 3.1/3.11) oder zumindest dazu konfigurieren (MS-Win95). Wir werden hier nur MS-Windows 95 betrachten. Für MS-Windows 98 gilt das gleiche. Weiterführende Informationen finden Sie in Ihrer Dokumentation.

Basisinstallation

Das Wichtigste an einer Installation irgendwelcher Netzsoftware, egal auf welchem Betriebssytem, sind die Daten, die die Software benötigt, um Kontakt mit dem Provider und dem Internet aufzunehmen.

Deswegen soll Ihnen eine kleine Checkliste zeigen, welche Daten relevant sind und die beim Installationsvorgang bereitliegen müssen. Eventuell braucht man die eine oder andere Information nicht, aber in der Regel ist diese Liste umfassend. Hier ist sie:

  1. Telefonnummern
    1. ISDN: Mit welcher Telefonnummer (MSN) meldet sich Ihr Telefonanschluß beim Provider?
    2. alle: Wie ist die Zugangsnummer des Providers; eventuell gibt es mehrere.
  2. IP
    1. Wie ist die IP-Nummer des Rechners Ihres Providers, mit dem Sie direkten Kontakt aufnehmen?
    2. Wenn Ihnen ein Kontingent IP-Nummern zugeteilt wurde:
      1. Wie lautet die Netzwerkadresse? (Das ist die erste aus dem Kontingent)
      2. Wie lautet die Broadcast-Adresse? (Das ist die letzte aus dem Kontingent)
      3. Welches soll die Adresse Ihres Rechners sein?
      4. Wie lautet die Subnetzmaske?
      5. Wie lauten die Namen und IP-Adressen für
      6. den Domain Name Server (DNS)?
      7. den NNTP-News-Server? (wenn genutzt)
      8. den SMTP-Mail-Server? (wenn genutzt)
      9. den POP3-Postfach-Server? (wenn genutzt)
      10. den WWW-Proxy? (wenn genutzt)
      11. den ftp-Proxy? (wenn genutzt)
  3. Rechnername
    1. Wie soll Ihr Rechner heißen? (Name sollte 8 Buchstaben nicht überschreiten)
    2. Wie heißt die Domain Ihres Providers?
Diese Liste ist nicht vollständig, aber mit diesem Einkaufszettel kommen Sie schon weit. Wenn Sie einige Begriffe nicht verstehen, suchen Sie im Glossar nach Ihnen. Dort stehen Sie kompakt erklärt. Aber natürlich weiß auch Ihr Provider diese Daten. Fragen Sie ihn ruhig, wenn Ihnen der Kopf zu rauchen beginnt.

Beachten Sie auf jeden Fall die Hinweise im Handbuch der von Ihnen installierten Software. Dort steht auch, wie Sie Ihre Konfiguration testen können. Oder lesen Sie die weiterführende Literatur [1], [7].

PPP

Wenn Sie Dialogdienste nutzen wollen, dann kann UUCP nicht verwendet werden. Es muß dann ein Protokoll gefunden werden, das zwar wie UUCP mit einer Wählverbindung arbeiten kann, aber nach dem Aufbau der Verbindung so tut, als sei es TCP/IP. Für solche Zwecke gibt es PPP, das Point-to-Point Protocol. Es ist heute das Protokoll der Wahl bei den sogenannten "surf accounts", also den günstigen privaten Netzzugängen, bei denen WWW der hauptsächliche Aspekt ist. Bei PPP wird dem Nutzer zu Beginn einer Sitzung beispielsweise dynamisch eine IP-Adresse zugewiesen; danach sind alle Internetdienste,  vor allem der WWW-Betrieb, bequem nutzbar.

Solche Zugangsarten sind jedoch wirklich nur für "Surfer" geeignet; wer das Netz intensiver nutzen möchte, der sollte sich mit seinem Provider zusammensetzen und einen "richtigen" Internetzugang verabreden. Der kostet zwar mehr, aber er bietet entsprechend auch mehr Möglichkeiten.

Softwarebeispiel für UUCP

Es können hier nur einführende Hinweise ausgeführt werden; für vollständige Installationsanleitungen fehlt hier der Platz. Wir stellen ein Programm namens Crosspoint vor, das sehr verbreitet ist, vor allem unter PC-Anwendern mit MS-DOS.

Crosspoint

Crosspoint ist eine Entwicklung aus der MS-DOS-Welt. Die Fähigkeit der Nutzung am Internet kam nachträglich dazu. Deswegen werden Ihnen einige Strukturen des Internet nicht deutlich gezeigt werden. Sie müssen also recht aufmerksam sein, um nicht als "typischer DOS-User" im Netz aufzufallen.

Crosspoint ist ein Programm, das nur zwei der Dienste abdeckt, die im Netz üblich sind: e-mail und News (z.B. Usenet).

Die Beispiele beziehen sich im Zweifelsfalle auf die Version 3.11.

Warum CrossPoint?

CrossPoint wurde nicht als Programm für das Usenet entwickelt. Die Möglichkeit, damit auch per UUCP am Usenet teilzunehmen, ist erst später implementiert worden. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie feststellen, daß CrossPoint die per UUCP bezogenen Daten vom im Usenet üblichen sogenannten "RFC-Format" in das "Z-Connect-Format" (das in DOS-Hobby-Mailboxen üblich war und gelegentlich noch zu finden ist) konvertiert, bevor sie in das Programm eingelesen werden. Die Bezeichnung "UUCP-Modul" legt die Vermutung bereits nahe, daß es sich um einen "Aufsatz" handelt und eventuell nicht alle technischen Möglichkeiten, die einem das Usenet bietet, mit CrossPoint ausgeschöpft werden können. Für die eingeschränkte Teilnahme am Netz erfreut sich CrossPoint aber berechtigterweise großer Beliebtheit, weil es, bis auf einige Ecken und Kanten, recht benutzerfreundlich ist.

Die Stärke von CrossPoint liegt vielmehr darin, daß für alle unterstützten Netze eine einheitliche Bedienungsoberfläche existiert. Dies erleichtert z.B. den Einstieg in das Usenet, wenn Sie CrossPoint bereits vorher anderweitig benutzt haben. Problematisch ist oftmals die vom Programmierer getroffene Wahl der deutschsprachigen Begriffe. Nutzer, die schon mit der Terminologie des Usenets vertraut sind und eventuell auch Kenntnisse der einschlägigen Unix-Programme haben, werden sich auf Anhieb nur schwerlich in CrossPoint zurechtfinden. Es gibt zwar einen englischsprachigen Aufsatz, was das Problem aber auch nicht komplett löst.

Bezugsquellen:

CrossPoint wird als selbstentpackendes Archiv vertrieben.

Die CrossPoint-Supportbox hat seit  Anfang diesen Jahres den Betrieb eingestellt. Derzeit (April 2000) ist die Version 3.12d aktuell und die Version 3.20 als beta-Version. Weitere Infos - auch  über die Weiterentwicklung - sind unter http://www.open.de/ und http://www.crosspoint.de/ zu finden.
[Vielen Dank an Holger Decker für diesen Hinweis.]

Bezugsquelle im World Wide Web:

http://www.shuttle.de/ftp/dos/crosspoint/

Ebenso ist CrossPoint auf vielen Shareware-CDs und in privaten Mailboxen zu finden.

Das folgende bezieht sich auf die Version 3.11. Zur Teilnahme am Usenet benötigen Sie die Dateien

XP311-1.EXE

XP311-2.EXE

XP311U.EXE

Die folgende Details sollten Sie vor Beginn der Installation unbedingt mit dem Systembetreiber Ihres Zugangs abklären:

Die nun folgende Installationshilfe soll Ihnen nicht das Lesen der Dokumentation ersparen. Sie soll nur typische Fehler bei der Grundkonfiguration vermeiden helfen und verhindern, daß die Teilnahme am Usenet schon direkt zu Beginn zu scheitern droht.

Machen Sie später unbedingt Gebrauch der fast überall vorhandenen Online Hilfe ("F1" drücken), und lesen die Dateien *.DOC im CrossPoint-Verzeichnis. Auch wenn Sie CrossPoint schon in einem anderen Netz, z.B. FIDO-Netz benutzt haben. Jedes Netz hat seine Eigenarten und eigenen Begriffe, die nicht gedankenlos miteinander vermischt werden sollten!

Die Beispielkonfiguration bezieht sich auf die e-Mail Adresse "matthias@site.usenet-box.de".

Username ist "matthias", Loginname und Sitename "site", Name des Feeds "usenet-box", Domain des Feeds ".de" und der Brettverwalter ist "autosys". Unter feed wird in diesem Abschnitt die Mailbox verstanden, die die Versorgung mit news und e-mail vornimmt, also der Provider.

Nach dem ersten Aufruf von XP.EXE werden Sie aufgefordert, den Netztyp, den Boxnamen und Ihren Usernamen einzugeben. Mittels "F2" gelangen Sie in ein Pull-Down-Menü, wählen den ensprechenden Eintrag (RFC/UUCP), der Boxname ist in diesem Fall "usenet-box" und der Username "matthias".

Der Username kann auch später beliebig geändert werden, da jegliche E-Mail an ...@site.usenet-box.de zu Ihrem System geschickt wird. Oft wird als Username der Vorname oder Vor- und Nachname mit einem Punkt getrennt genommen. Natürlich sind der Phantasie hier und auch bei der Wahl des Sitenamens keine Grenzen gesetzt, nur sollte darauf achten, daß er weder geschmacklos noch lächerlich ist.

CrossPoint besitzt oft sehr veschachtelte Menüs, sie werden von nun an immer ähnlich einer Verzeichnisstruktur angegeben werden.

/Edit/Boxen/Edit/Point führt z.B. in folgende Maske: 


Abbildung 2-1: CrossPoint - Konfiguration der Verbindungsparameter.


Manchmal unterscheidet sich der Loginname vom Pointnamen (korrekt wäre eigentlich Sitename).

Einige Usenetfeeds (Provider) bevorzugen es, ihren UUCP-Logins ein "uu-" vorranzuhängen, so daß aus "site" ein "uu-site" wird.

Als Packer gebräuchlich sind derzeit gzip und compress, wobei gzip je nach Art der Newsartikel ca. 20% bessere Komprimierungsraten als compress erzielt. Wenn möglich, sollten die Batches vom Feed also mit gzip gepackt werden. Dies spart Übertragungszeit und Telefonkosten.

Ob diese dann ohne oder mit Header verschickt werden, ist unwichtig, CrossPoint verarbeitet mit compress oder gzip gepackte Newsbatches sowohl mit als auch ohne Header.

Die Nachrichten, die Sie schreiben und verschicken, sollten Sie aber unbedingt per compress packen (Upload-Packer) solange Ihnen nicht ausdrücklich etwas anderes zugesagt wurde. Die wenigsten Usenetfeeds können Batches mit gzip und "#! gunbatch"-Header verarbeiten, wie CrossPoint sie generiert. Ihre Newsartikel landen dann als fehlerhaft in einem Verzeichnis des anderen Rechners, werden aber nie in die weite Welt verteilt.

Die angegebenen Werte für die UUCP-Paketgröße und Zahl sollten für den Normalfall gute Ergebnisse erzielen. Bei Abbrüchen oder CRC-Errors trotz Fehlerkorrektur des Modem [MNP4+5, V.42(bis)] könnten kleinere Paketgrößen Abhilfe schaffen. Sollte die serielle Schnittstelle, an der das Modem angeschlossen ist, nicht mit einem UART 16550 (Fifo-Chip) bestückt sein, liegt die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit dort.

Die anderen Felder sollten mit den obigen Werten belegt werden, das g-Protokoll ist der kleinste gemeinsame Nenner und sollte überall unterstützt werden.

Unter /Edit/Boxen/Edit/Modem sollte darauf geachtet werden, daß die Übertragungsrate der seriellen Schnittstelle nicht zu hoch angesetzt wird. Viele Rechner, insbesondere ohne UART 16550, sind schon mit einer Rate von 38400 bps überfordert. CRC-Errors sind dann bei aktiver Fehlerkorrektur des Modems nicht (!) Ursache des Modems oder schlechter Telefonleitungen. Beachten Sie, daß die Newsbatches bereits gepackt sind, also bei einer physikalischen Übertragungsrate Modem-Modem von 28.800 bps keine höheren effektiven Raten durch Kompression seitens des Modems erzielt werden können und Geschwindigkeiten größer 38400 bps auf der Strecke Rechner-Modem keine Verbesserungen mehr bringen.

Unter /Edit/Boxen/Edit/Namen finden sich diverse Bestandteile der E-Mail Adresse wieder. 


Abbildung 2-2: CrossPoint - Konfiguration der Verwaltungsdaten


Sie können den Realnamen auch frei lassen, nur müssen Sie dann damit rechnen, daß Ihre Postings im Netz nicht die Akzeptanz erlangen, die Sie wünschen. Ihre Domain setzt sich aus dem Namen des Servers und seiner Domain zusammen. In diesem Fall ".usenet-box.de".

/Edit/Boxen/Edit/RFC-UUCP:

Hier legen Sie Typ, Name und Passwort des Newsgruppenmanagers fest. Das Passwort sollte vom Login-Passwort verschieden sein. Je nachdem, ob bei den Kommandos der Sitename inkl. Domain anzugeben ist oder nicht, muß das Kreuz bei "vollständige Domain" gesetzt werden.

Die restlichen Einträge belassen Sie in der Default-Einstellung.

Fordern Sie am besten jetzt per /Nachricht/Brettmanager/Sonstiges/"usenet-box"/help Hilfe an, bestellen eine Newsgruppenliste oder probieren andere Kommandos des automatischen Brettverwalters aus. Bedenken Sie, daß Ihre Kommandos beim Feed oftmals nicht unmittelbar ausgeführt werden, es kann also ein wenig dauern, bis Sie z.B. die Liste aller verfügbaren Newsgruppen erhalten.

Wenn Sie in Ihren Newsartikeln Umlaute oder Sonderzeichen verwenden wollen, Sollten Sie unter /Config/Optionen/Netze/Verschiedenes die Option "MIME in News" aktivieren.

Noch eine Anmerkung zu /Edit/Systeme:

Wird hier ein "UUCP-Fileserver" eingetragen, so ist es möglich, sich beim Anruf Dateien schicken zu lassen bzw. auch welche zum Feed zu schicken. 


Abbildung 2-3: CrossPoint - UUCP Fileserver


Der Name der Indexdatei kann von System zu System variieren.

Per /Nachricht/Fileserver/Liste/Anfordern kann eine Liste anfordert werden, die nach dem erfolgreichen Poll im FILES-Verzeichnis von CrossPoint liegt und meist unter DOS mit 'gzip -d Filelistenname' entpackt werden muß.

/Nachricht/Fileserver/Liste/Datei_einlesen konvertiert die Liste und liest sie in CrossPoint ein, mittels /Nachricht/Fileserver/Bestellen können dann Files markiert und bestellt werden. Sollte der Lister

nicht die komplette Liste anzeigen koennen, mehr EMS-Speicher zur Verfuegung stellen.

Sollten Sie später mal vom Begriff "anonymous UUCP" hören und diese Möglichkeit nutzen wollen, so können müssen Sie die entsprechende Site als eigenständige "Box" und "System" eintragen.

Vor Ihrem ersten Anruf über /Netcall sollten Sie noch eine Testmail (am besten an den Systembetreiber Ihres Usenetfeeds) mit /Nachricht/direkt absetzten...

Windows95/98

Bei der folgenden Kurzübersicht wird davon ausgegangen, daß eine "echte" Internetanbindung vorhanden ist. Beispielsweise so realisiert, daß die Windows-Arbeitsstation über ein lokales Netz an einem Netzrouter angeschlossen ist, meist unter Unix/Linux realisiert. Das ist im Übrigen die bevorzugte Variante, die eine hinreichende Sicherheit des eigenen Netzes ermöglicht. Auch eine Online-Anbindung (z.B. t-online) läßt sich so einfach und effizient für ein lokales Netz zur Verfügung stellen. Genauere Beschreibung zur Konfiguration finden Sie in Ihrem Handbuch zu MS-Windows 95.

Um in MS-Windows 9x Internet einzurichten, benötigt man nur ein paar Handgriffe. Wählen Sie START-EINSTELLUNGEN-SYSTEMSTEUERUNG-
NETZWERK.

Wählen Sie dann "HINZUFÜGEN":

Nun "Protokoll" auswählen und dann "Microsoft"-"TCP/IP" einstellen:

Nun fehlt noch die Eingabe der Parameter:


In "IP-Adresse" wird die Ihnen zugeteilte Adresse eingetragen, hier im Beispiel 192.168.23.5. Dazu die Netzmaske. Unter "DNS-Konfiguration" wird der Rechner eingetragen, der die Namensauflösung vornimmt, also beispielsweise die Übersetzung von "www.blafasel.de" nach "192.168.17.9". Ohne einen solchen Übersetzungsrechner würden Sie Ihre Lieblingshomepage nicht zu sehen bekommen. Außerdem steht hier der Name ("host") und die Domain ("Domäne") Ihres
Rechners. Falls Sie keinen Domain-Name-Service möchten, wählen Sie "DNS deaktivieren".

Danach Neustart des Rechners, und MS-Windows 9x kann Internet.
 



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