Wenn der Euro kommt ...

EIN WÄHRUNGSCLUB MIT STRENGEN AUFNAHMEREGELN

Nicht alle EU-Staaten können von Anfang an dabeisein

Soviel ist klar: 1999 wird nicht das ganze Teilnehmerfeld der 15 EU-Staaten in die Währungsunion starten. Führt dies zum Risiko einer Spaltung Europas? Nein, die Europäische Union braucht Lokomotiven, die den ganzen Zug voranbringen. Niemand wird auf Dauer abgehängt. Alle zwei Jahre gibt es Gelegenheit für die Nachzügler, sich für die Währungsunion zu qualifizieren.

Für alle, die im Urlaub oder beruflich in die europäischen Nachbarländer reisen, wird die Währungsunion viele Vorteile bringen. Solange sie sich in Ländern aufhalten, die der Währungsunion angehören, brauchen sie kein Geld mehr zu tauschen, und sparen dadurch Zeit und Kosten. Für Geschäftsreisende wird die Spesenabrechnung einfacher, weil nicht mehr jeder Beleg umgerechnet werden muß. Touristen wissen bei einem Blick auf die Speisekarte, die Hotelabrechnung oder die Preise im Laden sofort, ob das Angebot günstiger oder teurer ist als zu Hause. Ob man von Köln nach München fährt oder über Brüssel nach Paris - überall wird mit dem gleichen Geld gezahlt.

Eine Frage macht allerdings auch denjenigen Sorge, die diesen weiteren Schritt zur wirtschaftlichen und politischen Einheit Europas begrüßen: Wird durch die Währungsunion nicht innerhalb Europas eine neue Trennlinie gezogen? Denn schon heute ist klar, daß nicht alle EU-Länder der EWU beitreten können. Mitglied können nur die Länder werden, die die strengen Stabilitätskriterien erfüllen. Das bedeutet, daß vor allem die Geldentwertung, die Staatsverschuldung und die langfristigen Zinsen bestimmte Grenzen nicht überschreiten dürfen.

Für einige Länder wird es schwer, die vorgeschriebenen Bedingungen bis 1999 zu erfüllen. Selbst Deutschland muß sich wegen der wachsenden staatlichen Schulden enorm anstrengen. Da die Währungsunion von Beginn an eine „Stabilitätsgemeinschaft"“ sein soll, scheint eine Zweiteilung der Europäischen Union unvermeidlich.

Allerdings ist das keine Trennung für immer. Denn alle EU-Staaten haben die Möglichkeit, sich nachzuqualifizieren - ähnlich wie Sportler, die beim ersten Anlauf nicht die geforderte Leistung bringen. Wenn die Währungsunion ein Erfolg wird, kann jeder sehen, wie groß die wirtschaftlichen Vorteile sind, wenn alle "mit einer Münze zahlen". Dann werden sich diejenigen doppelt anstrengen, die zunächst die Reifeprüfung nicht geschafft haben. Sie können dann bei stabilitätspolitischen Erfolgen später jederzeit "nachmelden".

Die neue Teilung Europas wird daher nicht von Dauer sein. Der Zwang, die Aufnahmebedingungen zu erfüllen hat im Kampf gegen Inflation und Staatsverschuldung aber heute schon zu Erfolgen geführt, von denen man vor einigen Jahren kaum zu träumen wagte. Überall in Europa werden große Anstrengungen unternommen, die Preise stabil zu halten und die Staatshaushalte solider zu finanzieren. Dadurch ist die Europäische Währungsunion lange vor ihrem eigentlichen Beginn in den Augen ihrer Befürworter schon zu einer Erfolgsstory geworden. Ohne den Druck, zunächst das eigene Haus in Ordnung zu bringen, hätte es in den EU-Ländern in den letzten Jahren keine so deutlichen Stabilitätsfortschritte gegeben.


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