Wenn der Euro kommt...

KEINE EXPERIMENTE!

Sparer sollten riskante Ausweichmanöver meiden

Wegen des Euro sollte sich kein Sparer zu riskanten Geschäften verleiten lassen. Die Berater bei Banken und Sparkassen haben alle Hände voll zu tun. Immer mehr Kunden wollen von ihnen wissen, ob sie ihre Anlagen noch rechtzeitig vor Eintritt Deutschlands in die Währungsunion umschichten sollen.

Sind Bundesschatzbriefe weiterhin eine sichere Geldanlage? Soll man jetzt Aktien kaufen oder verkaufen? Ist es in jedem Fall richtig, auf Sachwerte zu setzen und dann in Ruhe abzuwarten, ob der Euro wirklich so stabil ist wie die D-Mark? Um darauf eine sinnvolle Antwort geben zu können, muß sich ein Anlageberater die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des jeweiligen Kunden ansehen, ihn nach seinen Sparzielen, seiner Risikobereitschaft und der Altersversorgung fragen. Erst dann kann er einen "maßgeschneiderten Rat" geben. Doch das gilt auch unabhängig vom Euro. Patentrezepte gibt es nämlich beim Sparen und bei der Anlageberatung nicht.

Aber ist es überhaupt sinnvoll oder notwendig, das bisherige Sparverhalten mit Blick auf die kommende Europäische Währungsunion (EWU) zu ändern? Wer sich diese Frage stellt, muß sich zunächst darüber klar werden, daß beim Wechsel von der D-Mark zum Euro nur der Umtausch einer Währung gegen eine andere stattfindet. Alle in Geld ausgedrückten Werte - Löhne, Kredite, Preise, Steuern, Mieten, Aktien oder Anleihen - werden einfach in die neue Währung umgerechnet. Das ist so wie bei PS und kw oder Pfund und Kilo: Es macht keinen Unterschied, ob die Leistung eines Motors in den alten Pferdestärken oder Kilowatt ausgedrückt wird. Es ist auch nicht entscheidend, ob das Gewicht eines Kartoffelsacks in Pfund oder Kilo angegeben wird. Auf den Inhalt kommt es an. Ähnlich wird es ab Januar 1999 mit dem Geld sein. Deshalb wird auch von einem "wertgleichen" Umtausch gesprochen. Die Höhe des Gehalts, des Guthabens auf dem Sparbuch oder der Kurs einer Aktie können dann wahlweise in DM oder Euro ausgedrückt werden. Der reale Wert oder die Kaufkraft ändern sich dadurch nicht.

Die einzig wichtige Frage ist, ob der Euro auf die Dauer ebenso stabil sein wird wie die Mark. Das läßt sich heute noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit beantworten. Der Maastrichter Vertrag trifft aber jede erdenkliche Vorsorge, damit die Europäische Zentralbank den Geldwert erfolgreich verteidigen kann. Sie wird ebenso wie die Bundesbank in Frankfurt ihren Sitz haben. Sie ist nach dem deutschen Modell mit großer Unabhängigkeit ausgestattet und räumt der Preisniveaustabilität Vorrang ein. Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer zeigt eine positive Perspektive auf: "Die Erfahrungen zeigen eindeutig, daß Länder mit einer tatsächlich unabhängigen Zentralbank auflängere Frist ein wesentlich besseres Stabilitätsergebnis aufweisen."

Wenn sich dann wirklich herausstellen sollte, daß die Preise etwas schneller steigen, bleibt immer noch genug Zeit, um über andere Formen der Geldanlage nachzudenken. Dagegen ist es sehr riskant, sich jetzt auf Experimente einzulassen. Wegen des bloßen Verdachts, die Geldentwertung könne vielleicht etwas höher sein, sollte niemand mit seinen Ersparnissen experimentieren, sie also z.B. in Optionsscheine oder Devisenfutures stecken, wie dubiose Experten gelegentlich raten. Es ist auch gefährlich, Geld trotz der Wechselkursrisiken im Ausland anzulegen oder andere spekulative Geschäfte zu machen, die man sonst scheuen würde. Wer nur mit Blick auf den Euro Immobilien und andere Sachwerte kauft, wird leicht von Geschäftemachern hereingelegt. Bei allen Geldanlagen gilt die Regel: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Deshalb sollten Sparer sich jetzt nicht anders verhalten als sonst auch.


[ euro Index | Homepage ]