Wenn der Euro kommt....
NEUES GELD MIT ALTER KAUFKRAFT
Umtausch in die neue Währung ohne Gewinn und Verlust
Die Umstellung auf den Euro wird keine Zitterpartie mit Gewinnern und Verlierern. Es handelt sich um eine rein technische Umstellung aller Geldwerte auf die neue Währung. Kaufkraft und Realeinkommen bleiben unverändert.
Wenn der Kauf eines neuen Autos ansteht, dann interessieren sich Frau und Tochter vor allem dafür, ob ein Airbag dazu gehört oder welche Farbe es haben soll. Vater und Sohn dagegen wollen wissen, was die Maschine leistet. Die Hersteller geben die Motorstärke heute in Kilowatt (kw) an. Aber in den meisten Prospekten wird auch die alte PS-Zahl noch genannt. 115 PS werden dann zu 85 kw. Das ändert natürlich nichts an der Leistung des Motors. Mancher kann sich aber besser vorstellen, was die "Karre hergibt", wenn er weiß, wieviel Pferdestärken sie unter der Haube hat.
Ähnlich wird es vielen gehen, wenn die Europäische Währungsunion kommt. Denn dann werden Preise, Löhne, Mieten oder Guthaben auf der Bank nicht mehr in D-Mark sondern in Euro ausgedrückt. Statt bisher 1200 DM stehen dann vielleicht nur noch 648,64 Euro auf dem Konto. Das wird manchem Sparer sicher einen Schreck einjagen. Trotz aller Versprechen der Politiker, daß niemand bei Einführung der gemeinsamen Währung etwas verlieren wird, ist das Guthaben plötzlich viel kleiner.
Es wird nur ein kurzes Erschrecken sein. Denn der Kontobesitzer wird bald erfreut feststellen, daß auch seine Miete geringer geworden ist. Statt früher 960 DM werden dafür nur noch 518,91 Euro abgebucht. Die Telefonrechnung von 48 DM fällt auf 25,94 Euro.
Doch es gibt weder Grund zur Freude noch zum Erschrecken. Wenn das alte nationale Geld gegen die gemeinsame Währung ausgetauscht wird und statt mit Mark, Gulden, Schilling oder Franc überall nur noch mit Euro bezahlt wird, ändert sich ähnlich wie bei PS und kw nur die Bezeichnung. Die dahinter steckende Kraft, in diesem Fall also die Kaufkraft, bleibt gleich.
Alle in Geld ausgedrückten Größen werden nämlich auf die gleiche Weise umgerechnet: Die Löhne ebenso wie die Preise, Bankguthaben, Schulden, Steuern oder auch ein Gewinn beim Lotto. Niemand wird vom bloßen Umrechnen ärmer oder reicher.
Das gilt auch im Verhältnis zu unseren Nachbarn. Wenn heute ein Franzose für eine Reise deutsches Geld braucht, muß er rund drei Franc für eine DM zahlen. Deshalb muß er später auch für einen Euro dreimal soviel herausrücken wie ein Deutscher. Im Verhältnis zu unseren Nachbarn gilt nämlich ebenfalls, daß niemand beim Eintritt in die Währungsunion begünstigt oder benachteiligt werden soll.
Trotzdem haben alle gemeinsam Vorteile von einer einheitlichen Währung. Bei einer Reise ins Nachbarland muß kein Geld mehr gewechselt werden. Die Preise lassen sich leichter vergleichen. Der Handel mit den Partnerländern, von dem Millionen Arbeitsplätze abhängen, kann nicht mehr durch Währungskrisen und ständige Wechselkursänderungen gestört werden.