Wenn der Euro kommt ...

NIEMAND MUSS UM SEINE ERSPARNISSE ZITTERN

Neues Geld ohne Währungsreform

Vor allem ältere Menschen fürchten um ihre Ersparnisse, wenn der Euro kommt. Machmal kommen ungute Erinnerungen an die Währungsreform von 1948 oder gar an das Inflationsjahr 1923 hoch. Um einen populären Irrtum auszuräumen: Die europäische Währung hat nichts mit einem Währungsschnitt zu tun.

Eigentlich verstehen sich Großvater und Enkel sehr gut. Aber bei einem Thema gehen die Meinungen weit auseinander: Der junge Mann, der schon oft Urlaub in den Nachbarländern gemacht hat, findet es toll, wenn er in einigen Jahren überall mit der gleichen Münze zahlen kann. Der Großvater dagegen lehnt die Europäische Währungsunion strikt ab: "Junge, ich habe schon einmal fast all mein Geld bei einer Währungsreform verloren. Meinen Eltern ist es nicht besser gegangen. Bei denen waren damals die gesamten Ersparnisse weg. Das will ich nie wieder erleben".

So denken viele. In Deutschland leben Millionen Menschen, die böse Erfahrungen mit einer Währungsreform gemacht haben, manche sogar zweimal in ihrem Leben. Denn nach dem Ersten Weltkrieg brach eine schlimme Inflation über Deutschland herein. 1923 kostete ein Liter Milch schließlich 8,6 Milliarden, eine Fahrt mit der Straßenbahn 10 Milliarden Mark. Deshalb blieb am bitteren Ende nichts anderes übrig, als das wertlose Geld aus dem Verkehr zu ziehen und durch eine neue Währung zu ersetzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zwar nicht zu einer so wild galoppierenden Inflation. Aber wieder hatte das alte Geld seinen Wert verloren, weil das Volksvermögen buchstäblich auf den Schlachtfeldern verpulvert worden war. Die Sparer verloren bei der Währungsreform fast alles. 1948 bekamen sie nur ein Zehntel der ursprünglichen Beträge in DM gutgeschrieben. Ähnlich ging es den Sparern in der damaligen sowjetischen Zone. Als dann 1990 die ehemalige DDR der Bundesrepublik beitrat, gab es erneut lange Gesichter bei den Sparern: Für einen großen Teil ihres Geldes bekamen sie nur den halben Betrag in D-Mark. Diese Beispiele zeigen: Währungsreformen sind unvermeidlich, wenn eine Wirtschaft durch Kriege, ungezügelte Inflation oder als Folge eines Staatsbankrotts zerstört wurde. Dann hilft nur noch eine Operation.

Bei der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ist das aber völlig anders. Hier handelt es sich nicht um zerstörte Länder und eine totkranke Wirtschaft. Die EU-Staaten, die gemeinsam den Euro einführen wollen, gehören vielmehr zu den wirtschaftlich und politisch stabilsten Ländern der Welt. Sie bieten ihren Bürgern mehr Lebensqualität und soziale Sicherheit als jemals zuvor in der Geschichte. Mitmachen dürfen außerdem nur Länder mit gesundem Geld. Wer die Inflation nicht im Griff hat, muß draußen bleiben. EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies stellt deshalb klar: "Die Wirtschafts- und Währungsunion ist keine Währungsreform. Der Realwert sowohl der Ersparnisse als auch der Einkommen bleibt erhalten, es ändert sich lediglich die Rechnungseinheit." Es gibt nur einen Umtausch der alten nationalen Währungen gegen ein gemeinsames Zahlungsmittel. Dabei wird kein Sparer etwas verlieren. Der Enkel kann also bequem reisen, ohne daß der Opa um sein Geld zittern muß.


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