Wenn der Euro kommt ...

WER BESTEHT DEN EURO-HÄRTETEST?

1998 fällt die Entscheidung über den Teilnehmerkreis

Anfang 1998 fällt in einem Härtetest die Entscheidung über den Teilnehmerkreis der gemeinsamen Währung. Nur wer den Sprung über alle fünf Maastrichter Stabilitätsmaßstäbe schafft, wird zum Start in die Währungsunion zugelassen.

Seit immer häufiger über die künftige Europäische Währungsunion diskutiert wird, geht es am Stammtisch oft hoch her. Besonders Karl regt sich dann auf: "Ich laß mir statt der harten Mark doch keine weiche Euro-Pflaume in die Hand drücken." Das macht auch andere in der Runde nachdenklich. Schließlich haben wir in Deutschland böse Erfahrungen mit der Inflation gemacht. "Und dann noch die Schulden der anderen bezahlen", fügt Rainer hinzu. Die meisten können da nur zustimmen.

Deshalb hat es Markus nicht leicht, sich in der Runde Gehör zu verschaffen. "Das wollen wir alle natürlich nicht. Aber ich hab mal in den Vertrag von Maastricht geschaut und mir noch ein paar andere Informationen beschafft. In Wirklichkeit sieht das alles ganz anders aus. Da heißt es ganz klar, daß kein Land für die Schulden eines anderen aufkommen muß. Außerdem steht Deutschland im Augenblick auch nicht so toll da, was die sogenannten Konvergenzkriterien angeht."

Und weil die anderen ihm nicht glauben wollen, holt Markus einige Informationen aus der Tasche, die er sich in den letzten Wochen beschafft hat. Sie zeigen, daß die Preissteigerungsraten in vielen anderen EU-Ländern auch nicht höher sind als in Deutschland. Und was die Staatsschulden angeht, ist die Bundesrepublik zur Zeit nicht gerade ein Musterknabe.

Denn zu den Aufnahmebedingungen gehört, daß die Zunahme der öffentlichen Verschuldung höchstens drei Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung betragen darf. Wenn diese Zahl nur knapp verfehlt wird, ist der Vertrag jedoch flexibel. Die Staats- und Regierungschefs haben einen Beurteilungsspielraum. Auch hinsichtlich des gesamten staatlichen Schuldenberges sieht es etwas brenzelig aus. Denn wer die Aufnahmeprüfung für die Währungsunion schaffen will, darf nach dem Vertrag von Maastricht mit höchstens 60 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung eines Jahres in der Kreide stehen. Wer diesen Stand nicht ganz erreicht, kann es ausnahmsweise trotzdem schaffen, wenn der Kandidat langjährige Sanierungserfolge aufweist und das Defizit hinreichend rückläufig ist. Auch die Deutschen müssen sich hier gewaltig anstrengen, um die Qualifikation zu sichern. Bei der Preisstabilität sieht es zum Glück deutlich besser aus. Dabei ist nur, wer den Anschluß an die drei Tabellenführer in Sachen Stabilität hält, d.h. höchstens 1,5 Prozent über der Inflationsrate der drei preisstabilsten Länder liegt. Hier präsentieren sich die meisten Länder in erstaunlich guter Form: 1995 wiesen 11 von 15 EU-Staaten eine Inflationsrate unter 3 Prozent auf.

Werden genügend Staaten den Sprung über die Konvergenzkriterien schaffen? Klaus Hänsch, Präsident des Europäischen Parlaments, ist zuversichtlich: "Es wird Anfang 1998 eine ausreichende Zahl von Staaten geben, die 1999 mit der Währungsunion beginnen." Und er fügt hinzu, daß es dabei hauptsächlich auf Deutschland und Frankreich ankomme: "Jeder weiß, daß es ohne Deutschland oder ohne Frankreich keine gemeinsame Währung gibt."


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