Wenn der Euro kommt...
EURO: WIE EINE INSEL IM STURM
Den Standort Deutschland vor Währungsturbulenzen schützen
Währungskrisen mit Abwertungen in den Nachbarländern wirken in Deutschland immer wieder als Jobkiller großen Stils. Unter den Teilnehmern der europäischen Währung sind in Zukunft Auf- und Abwertungen ausgeschlossen. Das macht viele Arbeitsplätze sicherer.
Zwar wird immer mal wieder auf die "Eurokraten" geschimpft und "die da in Brüssel" sind nur mäßig populär. Dennoch halten die meisten Bundesbürger den Gemeinsamen Markt für eine gute Sache. Wenn es allerdings um die gemeinsame Währung geht, sieht es oft anders aus. Da gibt es viele, die dem Euro sehr mißtrauisch gegenüberstehen. "Wir haben eine stabile Währung, die in der ganzen Welt anerkannt ist. Warum sollen wir die Mark gegen den Euro tauschen?"
Vor allem bayerische Landwirte haben darauf eine Antwort. Sie haben erst kürzlich wieder erleben müssen, was es bedeutet, wenn es mit den Währungen drunter und drüber geht. Als der Kurs der italienischen Lira immer tiefer in den Keller ging, waren Milch- und Fleischprodukte aus Bayern in Italien kaum noch zu verkaufen. Die süddeutschen Bauern zitterten um ihren wichtigsten ausländischen Absatzmarkt. Aber auch alle anderen deutschen Hersteller mußten fürchten, jenseits der Alpen viele ihrer Kunden zu verlieren. Je höher der Kurs der Mark gegenüber der Lira stieg, um so teurer wurde alles, was den Stempel "Made in Germany" trug.
Bös erwischt wurde auch die deutsche Autoindustrie. Um nicht von der Konkurrenz verdrängt zu werden, konnte sie ihre Preise nicht erhöhen, bekam beim Umtausch für ihre Lira-Erlöse aber immer weniger DM. Deutsche Autos waren deshalb in Italien billiger als in der Heimat. So manchem Bundesbürger war das eine Reise wert. Wegen der Abwertung der Lira konnte er sein Auto in Mailand billiger kaufen als in Stuttgart oder München. Aber für die deutschen Hersteller brachte das schmerzliche Verluste. Die deutsche Autoindustrie verliert durch Wechselkursschwankungen bis zu fünf Milliarden Mark im Jahr.
Jeder vierte Deutsche produziert für den Export. Insgesamt gehen fast zwei Drittel der deutschen Exporte in die europäischen Partnerländer. Bei einigen für unsere Wirtschaft besonders wichtigen Industrien ist der Anteil noch höher. Jede Aufwertung der Mark kostet deshalb Arbeitsplätze, denn deutsche Produkte und Dienstleistungen werden dadurch teurer. Daher muß alles getan werden, um den Handel so weit wie möglich vor den Folgen von Währungskrisen zu schützen. Durch die Europäische Währungsunion soll eine Art "Insel im Sturm" geschaffen werden. Das ist erreicht, wenn eines Tages in der Europäischen Union nur noch mit einer Münze gezahlt wird. Denn dann ist es ähnlich wie bei Lieferungen zwischen Hamburg und München oder beim Güteraustausch innerhalb der USA: Wechselkursveränderungen wird es innerhalb der Währungsunion nicht mehr geben. "Wir brauchen die Währungsunion mit der notwendigen Währungsruhe für Europa", argumentiert Christa Randzio-Plath, Vorsitzende des Unterausschusses Währung im Europäischen Parlament, "um ein positives Umfeld für mehr Wohlstand und Arbeitsplätze zu schaffen."