Wenn der Euro kommt...
UMTAUSCH-SCHUMMLER OHNE CHANCE
Die Umstellung auf den Euro erfolgt ohne Preiserhöhungen
Wie läßt sich verhindern, daß der Verbraucher bei der Währungsumstellung übers Ohr gehauen wird? Die dreijährige Gewöhnungsphase vom Start der Währungsunion 1999 bis zur ersten Bargeldausgabe am 1. Januar 2002 muß für den aktiven Verbraucherschutz genutzt werden. Auch der scharfe Wettbewerb im Einzelhandel läßt Schummlern keine Chance. Auf- und Abrundungen werden sich die Waage halten.
Peter S. ist Leiter eines großen Verbrauchermarktes. In letzter Zeit wird er immer häufiger von Kunden gefragt, was er denn von der Europäischen Währungsunion und dem Wechsel von der DM zum Euro halte. Sein Unternehmen bezieht Gemüse, Obst, Lebensmittel, Wein und andere Produkte aus praktisch allen Ländern der Europäischen Union. Deshalb weiß er, wie schwer der Einkauf und die Preiskalkulation wegen der ständigen Änderung der Wechselkurse sind. Doch wenn er seinen Kunden sagt, daß der Euro nach seiner Meinung so schnell wie möglich kommen sollte, spürt er oft Mißtrauen: "Dann kann der Handel uns bei den Preisen nach allen Regeln der Kunst über den Tisch ziehen."
Das ist eine verständliche Sorge vieler Verbraucher. Bei der Umstellung auf Euro müssen alle Geldwerte umgerechnet werden. Während dies bei Löhnen, Mieten, Guthaben auf Konten und Sparbüchern ebenso wie bei allen anderen vertraglich festgelegten Summen bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma genau gemacht werden muß, kann der Handel seine Preise frei kalkulieren. "Da werden viele die Gelegenheit doch nutzen, um überall schön nach oben aufzurunden", vermuten viele Kunden.
In der Tat wird es bei der Umstellung oft zu "krummen Zahlen" kommen. Denn wenn ein Paket Waschmittel vorher 18,90 DM kostete, dann kommt bei der Umrechnung ein Preis von 10,22 Euro heraus (bei einem Umstellungskurs von z.B. 1,85). Da könnte natürlich mancher Händler in Versuchung geraten, statt dessen 10,90 Euro auf´s Preisschild zu schreiben. Und bei dem Ei für vorher 35 Pfennig könnte statt der exakten 0,19 gleich 0,20 Euro verlangt werden. Noch unangenehmer wäre es für die Kunden, wenn das auch bei teuren Anschaffungen so liefe. Dann würde vielleicht aus dem Auto, das vorher für 35 000 DM im Katalog stand, ein Fahrzeug für 24 000 Euro - statt der korrekten Summe von 22 702 Euro.
Peter S. schüttelt nur den Kopf, wenn solche Rechnungen aufgemacht werden. "Bei dem scharfen Wettbewerb, den wir heute im Handel haben, würden wir uns doch selber in den Finger schneiden. Denn erstens hat heute doch jeder einen Taschenrechner, mit dem er ganz leicht selber prüfen kann, ob gemogelt wurde. Zweitens lauern die Konkurrenten doch nur darauf, daß ein anderer mit solchen Mätzchen kommt." Die Anzeigen der Wettbewerber kann er sich auch schon vorstellen: "Beim X-Markt wird sauber gerechnet."
Der Marktleiter hat im Gegenteil die Sorge, daß die Spannen im Handel oft noch knapper werden könnten. Bei einem Preis von 10,22 Euro für eine Großpackung wird er wohl auf 9,90 heruntergehen müssen, damit die Optik wieder stimmt. In jedem Fall ist er davon überzeugt, daß sich die Auf- und Abrundungen zumindest die Waage halten. Auch wenn mancher Kunde davon nicht so leicht zu überzeugen ist, weiß er aus Erfahrung, daß der Wettbewerb ihm gar keine andere Wahl läßt.