Wenn der Euro kommt .......

ANGST IST EIN SCHLECHTER RATGEBER

Vor dubiosen Geschäftemachern wird gewarnt

Wer Geld aus Angst vor dem Euro ins Ausland bringt, könnte dies später bitter bereuen. Karl von Wogau, Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses im Europäischen Parlament, rät von einer Flucht in den Schweizer Franken ab.

Wie sicher sind die Renten? Weil immer mehr Deutsche sich darüber Gedanken machen, ob sie den gewohnten Lebensstandard im Alter aufrecht erhalten können, spielt die private Vorsorge eine zunehmend wichtige Rolle. Wer während seines Arbeitslebens etwas "auf die hohe Kante" legt, kann sich im Ruhestand das Leben schöner machen. Das geht aber nur, wenn die Ersparnisse sicher angelegt sind. Aber sind sie das auch, wenn der Euro kommt? Was wird dann aus Bundesanleihen, aus Lebensversicherungen oder dem Guthaben auf dem Sparbuch?Deshalb werden viele Bundesbürger hellhörig, wenn sich am Telefon Anlageberater melden, die auf die Gefahren hinweisen, die den Ersparnissen beim Eintritt der Bundesrepublik in die Europäische Währungsunion (EWU) angeblich drohen. Sie bieten statt dessen eine Anlage in sicheren Fremdwährungen wie Franken oder Dollar an, die zudem weit höhere Gewinne bringen sollen als die üblichen Sparformen. So könne man in Ruhe abwarten und später - wenn mit dem Euro alles gut geht - sein Geld wieder in die Heimat zurückholen.

Auch der Angestellte Hanno M. wurde sehr nachdenklich, als sich bei ihm abends telefonisch ein Anlageberater meldete und ihm sehr drastisch die Risiken schilderte, denen seine Ersparnisse ausgesetzt seien, wenn die DM gegen den Euro ausgetauscht wird. Dagegen könne gar nichts passieren, wenn das Geld in der sicheren Schweiz geparkt würde. Hanno M. war beeindruckt - aber auch vorsichtig. Da ein Freund von ihm sich als gelernter Bankkaufmann in allen Fragen der Geldanlage gut auskennt, bat er ihn um Rat. "Natürlich kannst Du Geld in der Schweiz oder den USA anlegen. Solange für die Zinsen brav Steuern gezahlt werden, ist das völlig in Ordnung. Aber wenn Dir solche Angebote am Telefon gemacht werden, dann ist das schon ziemlich merkwürdig. Und wenn dann auch noch Angst vor dem Euro geschürt wird und überdurchschnittlich hohe Zinsen angeboten werden, ist das mehr als verdächtig. Wenn Du dich auf so ein Angebot einläßt, siehst Du das Geld vermutlich nie wieder."

Diese Gefahr ist in der Tat sehr groß. Denn inzwischen nutzen dubiose Geschäftemacher die Sorge mancher Sparer, daß der Euro nicht so stabil wie die Mark sein könnte, um gutgläubigen Anlegern das Geld zu entlocken. Viele Millionen Mark verschwinden so Jahr für Jahr auf Nimmerwiedersehen in dunklen Kanälen. Aber selbst wenn alles mit rechten Dingen zugeht, ist eine Geldanlage in der Schweiz mit hoher Wahrscheinlichkeit kein gutes Geschäft. Denn die eidgenössischen Banken zahlen meist viel niedrigere Zinsen als in Deutschland üblich. Außerdem wird bei einem starken Zustrom von Fluchtgeld der Kurs des Franken in die Höhe getrieben. Das wäre eine große Gefahr für die Schweizer Exportwirtschaft und den Tourismus. Die Schweiz hat sich in einem solchen Fall schon einmal mit hohen Strafzinsen gewehrt: Bis zu zehn Prozent alle drei Monate wurden vom Konto abgezogen. Dazu kommen noch Gebühren für den Geldumtausch und die Verwaltung des Geldes. Selbst wenn die Preissteigerungsrate nach Einführung des Euro etwas höher sein sollte als heute: Der Verlust an Kaufkraft wäre in keinem Fall so hoch, wie die Einbußen, die bei einer Anlage der Ersparnisse in Fremdwährungen drohen können. Das Risiko des Kursverlustes beschreibt Karl von Wogau: "Sollte die Schweiz zu Strafzinsen alter Art greifen, könnten in kurzer Zeit sogar Verluste bis zu 50 Prozent drohen."


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